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WALD- UND NATURSPIELPLÄTZE FÖRDERN KREATIVES SPIEL

Kinder sollten auch in der kühleren Jahreszeit regelmäßig draußen spielen. Foto: Design_Miss_C / pixabay.com

Wo klassische Standard-Spielplätze das kreative Spielen eher einschränken, ebnen naturnahe Spielorte den Weg zu Kreativität und eigenen Spielideen. Außerdem unterstützen sie die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Daher sollte es mehr naturnahe Angebote geben und mehr mutige und wetterfeste Eltern 😉

Kinder gehen gerne auf Entdeckungstour und lassen sich von der Tier- und Pflanzenwelt und von all den kleinen und großen Naturschauspielen begeistern. Während manche Eltern vielleicht längst den Blick dafür verloren haben, haben Kinder Bock auf Natur! Davon ist Biologe und Ökopsychologe Prof. em. Dr. Norbert Jung überzeugt: „Wenn man Kinder von klein auf wirklich lässt und ihnen die Zeit gibt, um die Möglichkeiten für sich zu entdecken, dann gehen sie los, wie eine Rakete und sind aus der Natur gar nicht mehr wegzukriegen.“

Die Natur ist für Kinder ein großer Abenteuerspielplatz, auf dem sich ohne viel Zutun eine Menge erleben lässt. Hier lernen Kinder elementare Bestandteile ihrer Umwelt kennen, wie Tiere und Pflanzen, Wasser, Erde, Luft und Gestein und sie erproben ihre eigenen körperlichen Kräfte sowie ihre Sinneswahrnehmungen in einem vielfältigen Umfeld. Für die kindliche Entwicklung ist daher ein großes Angebot an Natur- und Waldspielplätzen wichtig, wie beispielsweise dieser Waldspielplatz beim Wichtelpfad in Feldberg.

Deutschland hat zu wenig Spiel- und Bewegungsangebote

Doch es gibt generell zu wenige Spiel- und Bewegungsangebote, nicht nur in der Natur. Der Deutsche Olympiasportbund hat diesen Aspekt in konkrete Zahlen gefasst. Mehr als 350 Hektar Fläche werden in den größeren Städten Deutschlands als Parkflächen für Autos eingeplant. Auf Spiel- und Bewegungsangebote entfallen im Städtebau dagegen nur 50 Hektar. Fehlen vor der Haustür geeignete Möglichkeiten, ist es kein Wunder, dass Kinder immer seltener zum Spielen rausgehen. Eine Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks zum Weltspieltag 2018 bestätigte das und lieferte die Antworten der Kinder gleich mit.

  • Darin geben 28 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen an, dass sie ungern draußen spielen, weil zu viele parkende Autos im Weg sind,
  • 26 Prozent bemängeln, es gibt keine geeigneten Orte zum Spielen in der Nähe
  • und 23 Prozent sagen, sie spielen nicht gerne draußen, weil der Straßenverkehr zu gefährlich ist.

Hinzu kommt, dass die vorhandenen Spielplätze vielfach qualitativ zu wünschen übriglassen. Nicht selten werden einfallslose Spielgeräte angeboten, die den Kindern keinen Raum für eigene Ideen lassen. Die Nutzungsmöglichkeiten sind ebenso starr vorgegeben wie beschränkt. Zudem bieten die zur Verfügung stehenden Spielflächen zu wenig Platz für freies Spiel und kaum Rückzugsmöglichkeiten, um geschützt vor den Blicken der Erwachsenen und fernab vom Straßenverkehr oder Industrielärm Natur erleben und sich spielerisch entfalten zu können.

Mehr Naturerfahrungsräume für Stadtkinder

Die Stiftung Naturschutz Berlin will diesen Umständen entgegen wirken und beobachtet und erforscht daher seit einigen Jahren die Einrichtung von Naturerfahrungsräumen in Großstädten am Beispiel Berlin. Mit dem Konzept der Naturerfahrungsräume versucht man heutigen Großstadtkindern mehr Räume und Gelegenheiten zu bieten, frei und unbeobachtet in der Natur zu spielen und unmittelbare Erfahrungen zu machen. Im Rahmen dessen wurden bereits drei Pilotflächen in Berlin eingerichtet. Außerdem ist es Ziel des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens der Stiftung Naturschutz in Berlin, Kriterien zu entwickeln, die sich auf andere Großstädte übertragen lassen und die dazu beitragen, Naturerfahrungsräume auch in anderen Großstädten erfolgreich einzurichten und zu betreiben. Ein toller Ansatz. 

Auch die Biologische Station Östliches Ruhrgebiet hat Wildnis für Kinder reserviert, damit Stadtkinder in Herne und Bochum draußen in der Natur eigenständig, frei und unreglementiert spielen können.

Es geht auch ohne klassische Spielgeräte

Was ist das Besondere an naturnahen Spielorten? Sie bieten Kindern die Möglichkeit, mit der Natur spielerisch in Kontakt zu treten und aus natürlichen Materialien wie Holz, Sand, Gestein und Wasser selbst etwas zu erschaffen, das Erschaffene zu verändern und zu erweitern und sich dabei als selbstwirksam zu erleben.

Klassische Standard-Spielgeräte braucht es an solchen Naturspielstätten nicht unbedingt. Gerade auf Waldspielplätzen ist zu beobachten, dass die klassischen Spielgeräte schnell in den Hintergrund treten und vor allem der alte Baumbestand zum Versteckspiel und Klettern einlädt. Aus den vorhandenen Naturmaterialien erschaffen sich Kinder mit einer großen Prise an Kreativität und Fantasie ihre eigene Spielumgebung und erwecken diese zum Leben. Aus einfachen Holzelementen entsteht so ein Piratenschiff, eine Räuberhöhle, ein Baumhaus oder sogar eine ganze Stadt.

Oudoorkinder bauen mit Ästen im Wald
Kinder lieben es, ihre Spielwelt selbst zu erschaffen, und immer wieder zu verändern. Foto: 6381293/pixabay.com

Mit selbst gebauten Konstruktionen und im freien Rollenspiel können Kinder nicht nur ihre Kreativität und schöpferischen Fähigkeiten erproben, sondern sich auch im sozialen Miteinander üben und wichtige Gruppendynamiken erleben. Das Aushandeln von Regeln und Rollen, Teamgeist erfahren, gemeinsam Ideen entwickeln und kommunizieren, Herausforderungen meistern, unterschiedliche Fähigkeiten zu einem großen Ganzen kombinieren – all das können Kinder im freien, schöpferischen Spiel erlernen.

„Das Draußenspiel in der Natur ist viel interaktiver und aktivierender als drinnen. Deshalb sollte es für Kinder von klein auf selbstverständlich sein, Zeit in der Natur zu verbringen. Und dies nicht nur beim Wochenendausflug ins Grüne, sondern auch im städtischen Alltag“, betont auch Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Bei Wind und Wetter draußen spielen 

Während in der warmen Jahreszeit die Spielplätze gut besucht sind, ist so mancher Spielort rasch verwaist, sobald die Witterung ungemütlicher wird. Dabei sollten wir alle öfter versuchen unseren inneren Schweinehund zu überwinden und auch rauszugehen, wenn der Wind mal kräftiger weht und es nass ist. Ärzte und Pädagogen weisen ausdrücklich darauf hin, dass Bewegung und Spielen im Freien ganzjährig wichtig sind. Das Immunsystem wird vor allem im Kontakt mit stärkeren Witterungseinflüssen entwickelt.

Außerdem bieten gerade Wetterphänomen wie Regen oder starker Wind eine Fülle an Erlebnismöglichkeiten. Wie viel Spaß es macht, mit Gummistiefeln in Pfützen zu springen, das haben die meisten von uns noch aus ihrer eigenen Kindheit im Kopf. Wer unter einem großen Baum Schutz vor dem Regen sucht und sich sicher wie in einem Zelt fühlt, erlebt ein völlig neues Gefühl von Geborgenheit in der Natur. Wenn der Regen auf das Blätterdach tröpfelt oder der Wind in den Baumwipfeln rauscht, entstehen faszinierende Klangwelten. Es gibt so viele neue Gerüche zu entdecken, wenn Erdboden und Bäume nass sind. Und aus nassem Sand lassen sich die schönsten Bauwerke errichten. Brechen im Anschluss an einen Regenguss die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken, lässt sich vielleicht sogar ein Regenbogen bewundern?

regenbogen
Regenbogen am Krimmer Wasserfall in Österreich. Foto: Schilling

Natur bietet spannende Erfahrungsmöglichkeiten für Kinder und trägt zur Persönlichkeitsbildung von Kindern bei – und das bei wirklich jedem Wetter. Diese Chancen sollten Kinder nicht verpassen. Sind die Kleinen auf ihren Abenteuern warm und trocken eingepackt, spricht nichts dagegen, sie auch bei Wind und Regen draußen spielen zu lassen.

Mit wetterfester Kleidung Natur erleben

In der kühleren Jahreszeit ist besonders der Zwiebellook für Kinder praktisch: über eine wärmende Unterschicht kommt eine strapazierfähige Schicht aus wind- und wasserdichtem Material, wie zum Beispiel eine kuschelig warme Jacke mit Kapuze. Diese können Kinder rasch hochklappen, wenn es zu regnen beginnt oder es in den frühen Abendstunden spürbar kühler wird.

Spielen im Wald
Die Kinder entdecken gut eingepackt den Waldlehrpfad Meerhof. Foto: Spielplatztreff

Wer auf Abenteuersuche durch den Matsch kriecht, auf Baumstämme klettert und in Pfützen springt, zieht seinem Kind am besten eine wasserabweisende Hose aus strapazierfähigem Material an. Auch feste Schuhe gehören zur soliden Grundausstattung von Naturkindern. Ideal sind halbhohe Schuhe aus einem wasserabweisenden und atmungsaktiven Material, die fest am Fuß sitzen und das Fußgelenk zusätzlich stabilisieren. Eine feste Sohle mit gutem Profil gibt Halt beim Klettern und Toben.

Im Herbst sind anschmiegsame Loops und Beanies aus dünnem, weichem Material die perfekten Begleiter für Outdoorausflüge. Sie wärmen bei milderen Temperaturen und schützen auch bei Nieselregen. Im Winter sind Schal und Mütze aus wärmender Wolle zu empfehlen. Bei richtig kalten Temperaturen schützen Handschuhe die Finger vorm Auskühlen. Ein anschmiegsames Material mit einer Anti-Rutsch-Beschichtung in der Handinnenfläche ist bestens geeignet und bietet verlässlichen Halt beim Klettern. So ausgestattet darf es getrost bei Wind und Wetter hinaus ins nächste Naturabenteuer gehen.

Lasst mehr Risiko zu und haltet euch zurück!

„Habt mehr Vertrauen. Erlaubt das Risiko. Denn Risiko ist das, was spielende Kinder suchen. Es muss ein bisschen riskant sein, damit es Spaß macht und interessant wird.“

Andreas Weber

Übrigens, die Voraussetzung für Abenteuer ist neben den örtlichen Gegebenheiten aber auch, dass begleitende Eltern sich zurücknehmen und nur in das freie Spiel eingreifen, wenn die Sicherheit der Kinder gefährdet ist. Der Biologe und Autor Andreas Weber hat diesbezüglich für uns Eltern eine passende Botschaft: „Habt mehr Vertrauen. Habt weniger Angst. Lasst mehr Freiheit zu und versucht weniger zu kontrollieren. Erlaubt das Risiko. Denn Risiko ist das, was spielende Kinder suchen und zwar nicht das totale, sondern das gemäßigte Risiko: Es muss ein bisschen riskant sein, damit es Spaß macht und interessant wird.“ Auch Hans-Peter Barz, erfahrener Spielplatz-Experte und Leiter vom Grünflächenamt in Heilbronn findet es wichtig, dass Eltern „wieder mehr in die Fähigkeiten ihrer Kinder vertrauen, ihnen wieder mehr Freiraum geben, eigene Erfahrungen zu machen und dafür vorhandene Sorgen und Ängste bewusst zurückhalten.“


Auf Spielplatztreff.de findet ihr einige Kategorien, in denen es sich lohnt, nach naturnahen Spielorten zu stöbern: Waldspielplätze, Naturerfahrungsräume, Abenteuerspielplätz. Schaut gleich mal vorbei und ergänzt euren Lieblings-Naturspielplatz, falls dieser noch fehlt.


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Veröffentlicht in
Draußen spielen Spielplatz-Zeit

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