Jens Brand ist leidenschaftlicher Bergsteiger und Felsenbauer. Und hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Seit fast 30 Jahren baut er mit seiner Firma „build a rock“ in Cottbus außergewöhnliche Kunstfelsen – am liebsten für Kinder. Kletterfelsen, die die Kinder nicht einfach nur „konsumieren“, sondern an denen sie wachsen. Was genau er damit meint und warum das Klettern unsere Kinder stark macht, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Herr Brand, Ihre Kletterfelsen finden sich auf vielen Spielplätzen dieses Landes wieder. Warum sind Kinder so fasziniert vom Klettern auch auf Ihren Felsen?

Fragt man Erlebnispädagogen, so braucht es drei Dinge, um Menschen und insbesondere Kinder, zu begeistern: das Abenteuer, die Gemeinschaft und die Natur. Diese drei Dinge vereint das Klettern. Deshalb ist die Magie des Kletterns vor allem für Kinder und Jugendliche seit Jahren ungebrochen. Klettern ist gerade für Kinder eine sehr wichtige Disziplin und unsere Kletterfelsen fördern und faszinieren Kinder in einer ganz besonderen Weise. Deshalb freuen wir uns, wenn bei der Gestaltung von Spielplätzen auch an attraktive Klettermöglichkeiten gedacht wird. 


Jens Brand hat bereits als Jugendlicher den Klettersport für sich entdeckt und ist bis heute, mit seinen fast 60 Jahren, dem Klettern treu geblieben. Seit fast 30 Jahren baut er mit seiner Firma build a rock in Cottbus Kunstfelsen aus Beton und organisiert im lokalen Raum Klettertrainings, Kletterferien oder Kletterwandertage für Kinder, Familien, Schulen aber auch für Erwachsene.


Welche Kompetenzen erlernen Kinder beim Klettern?

Sehr wichtige! Das Klettern ist ja nicht nur Individualsport und Trendsport, sondern auch Gemeinschaftssport. Ein Sport, der ebenso die Motorik fördert, wie die geistige und seelische Auseinandersetzung mit der Realität. Ein Sport, der humanistische Werte transportiert und dadurch nebenbei so viel mehr bewirken kann.

Woran erkennen Sie das?

Wir erleben das immer wieder in unseren Kletterkursen und Kletterferien:  Die Kinder sichern sich beim Klettern gegenseitig, sie geben aufeinander acht, sie vertrauen sich – und das alles mit viel Ruhe, Besonnenheit und Disziplin. Dadurch lernen sie Verantwortung zu übernehmen, respektvoll und achtsam mit sich selbst und mit anderen umzugehen. Und so werden aus Kletterern starke und selbstbewusste Persönlichkeiten, die wissen, was sie tun. Und die aufrecht durch die Welt schreiten und anderen auf Augenhöhe begegnen können. Diese Dinge passieren spielerisch, natürlich auch beim Klettern auf unseren Spielplatz-Kletterfelsen.

Kletterfelsen
Bei den Kletterfreizeiten von build a rock lernen die Kinder auch, sich gegenseitig zu vertrauen. Foto: build a rock

Es gibt nicht wenige Erwachsene, denen große, raue Kletterfelsen auf dem Spielplatz eher Sorgen bereiten… ist das auch sicher?

Klar, so ein Felsen ist rau und hart. Man kann sich den Kopf stoßen, man kann sich wehtun, man kann sich verletzen, man kann herunterfallen. Aber das soll auch so sein. Denn der Spielplatz ist ein Lernort und die Wirklichkeit ist rau. Kinder lernen durch Erfahrung und manchmal auch durch „Schmerz“.

Das klingt ziemlich brutal, finden Sie nicht?

Das ist nicht so brutal wie es sich vielleicht anhört. Im Gegenteil, das spielerische Lernen ist das beste Lernen. Doch leider gibt es in der heutigen Gesellschaft immer mehr die Tendenz Kinder von allen vermeintlichen Risiken und Gefahren fernzuhalten – auch auf dem Spielplatz. Was gut gemeint ist, ist allerdings in diesem Fall nicht das Beste für die Kinder. Denn damit wird den Kindern die Chance zu Scheitern genommen. Doch gerade das Scheitern ist im Lernprozess der Kinder von großer Bedeutung.

Warum ist gerade das Scheitern im Lernprozess so wichtig?

Spielen ist eigentlich ein ständiges Scheitern, sich wieder Aufrappeln und sich fragen: Was muss ich anders machen, damit ich es beim nächsten Mal schaffe? Aus dem Scheitern heraus entwickeln sich Kinder weiter. Sie wachsen als Persönlichkeit. Und deshalb bauen wir Felsen rau wie die Wirklichkeit. Felsen, die Kinder nicht zum alleinigen „Konsumieren“ verführen, sondern als Hilfsmittel gedacht sind, um sich selbst zu erleben und daran zu wachsen.

Kletterfelsen sollen nicht nur zum Konsumieren verführen? Wie meinen Sie das?

Sie kennen das sicher, Kletterwände oder auch Kletterfelsen auf Spielplätzen sind häufig mit bunten Klettergriffen ausgestattet. Optische Signale, die den Kindern verraten, wo es langgeht. Zack, zack, zack … ohne lange zu überlegen, wird an den Griffen hochgeklettert – die Kletterwand wird „konsumiert“. Die bunten Klettergriffe bedienen die Erwartungshaltung der Kinder. So ist das Ziel zwar schnell erreicht, aber mindestens genauso schnell ist das Erfolgserlebnis leider auch wieder vergessen. Denn es ist nicht so intensiv, weil es sich nicht selbst erarbeitet wurde.

Kinder sollen sich ihr Erfolgserlebnis eher selbst erarbeiten?

Kletterfelsen mit Kindern
Stück für Stück ertasten sich die Kinder ihren Kletterpfad. Einige haben es schon bis ganz nach oben auf den Felsen geschafft. Foto: build a rock

Jeder kennt diese bestimmten, intensiven Kindheitserfahrungen, die man auch nach Jahren noch abrufen kann. Ähnlich ist es beim Klettern auch. Kinder müssen die Felsstruktur durch eigenes Agieren entdecken, erfahren, ertasten, sie mit allen Sinnen erleben. Dafür gestalten wir unsere Felsen so, dass es keine Griffe braucht (außer diese sind erwünscht), weil die Struktur von sich aus gut bekletterbar ist. Es gibt schwerere und leichtere Kletterpassagen oder auch Bereiche, die gar nicht zu beklettern sind.

Kinder sehen andere klettern und versuchen dies zu imitieren. Sie probieren so lange bis sie es schaffen oder üben sich in Geduld, wenn eine bestimmte Schwierigkeitsstufe noch nicht erreicht wird. Dann ist es kein schnelles Konsumieren, sondern ein Prozess, ein Erlebnis, ein intensiver Erfolg. Das geht tief rein, wird emotional abgespeichert und ist viel länger im Gedächtnis abrufbar.

Ist die Spielplatzsicherheit auf Ihren Kunstfelsen trotz der Herausforderungen gewährleistet?

Selbstverständlich hat auch für uns die Spielsicherheit höchste Priorität. Doch um einem Missverständnis vorzubeugen: Gerätehersteller haben nicht die Aufgabe, Kinder vor allen Risiken zu schützen. Denn Kinder können entsprechend ihres Alters erkennen: Wenn ich hier hochklettere, kann ich runterfallen. Wenn ich herunterfalle, kann ich mir wehtun. So lernen sie im Spiel und das ist sehr wichtig.

Unsere Aufgabe ist es, nicht erkennbare Gefahren auszuschließen (z. B. Fingerklemmstellen, fehlender Fallschutz). Und das tun wir. Unsere Kletterfelsen sind TÜV-zertifiziert und entsprechen den europäischen Sicherheitsnormen für Spielplätze. Zudem sind sie langlebig und wartungsarm, dies bedeutet auch weniger Verletzungsgefahr durch defekte Verschleißteile.

Ich möchte alle Eltern, die mit solch außergewöhnlichen Klettermöglichkeiten hadern, dazu ermutigen, zu vertrauen und ihrem Kind diese besondere und wichtige Erfahrung zu schenken. Sie werden sehen, Ihr Kind wird es Ihnen danken.

Sie haben mir erzählt, dass Sie am liebsten kreativ arbeiten und Spiellandschaften entwickeln, die eine Geschichte erzählen. Stellen Sie uns einige vor?

Vulkan-Spielplatz in Röcknitz (bei Leipzig) 

Erst vor kurzem haben wir den Vulkan-Spielplatz in Röcknitz fertig gestellt. Der Spielplatz ist integriert in den Geopark Porphyrland, der die Geschichte des Rochlitzer Porphyrtuffs erzählt. Ein markanter, roter Stein, einzigartig und prägend für die Region. 

Kletterfelsen im Kletterspielplatz Röcknitz
Die Kletterfelsen auf dem Vulkanspielplatz in Röcknitz bieten jede Menge Kletterspaß und körperliche Herausforderungen. Foto: Geopark Porphyranya

Da ein Supervulkan vor ca. 290 Millionen Jahren die über 500 Meter mächtigen Gesteinsschichten hervorbrachte, haben wir für den Spielplatz einen Vulkan nachgebildet, mit Lavaströmen, Kletterwand, Höhle, Flüstertelefon, Kletternetzen, Schaukeln usw.  – alles passend zum Thema Vulkan. Die Leute fahren 40-50 km mit dem Auto, um diesen Spielplatz zu besuchen. Und das liegt natürlich auch daran, dass dort eine interessante Geschichte erzählt wird.

Dino-Spielplatz in Hamburg Bergedorf 

Bereits vor 15 Jahren haben wir einen sehr schönen Dino-Spielplatz in Hamburg Bergedorf (Hackmackbogen) gebaut. Der wurde fantasievoll als Burgruine mit Klettermauern gestaltet. In der Mitte sitzt ein Dinosaurier mit Rutschen und Schaukeln, Hangelseilen und Kletterwand. Die Kinder lieben diesen Spielplatz, sind stundenlang beschäftigt und ins Spiel versunken. 

Auch nach so vielen Jahren funktioniert alles noch tadellos. Es ist schön zu sehen, dass unsere Arbeit die Kinder so lange begeistert und über die Jahre mit so wenig Pflegeaufwand auskommt. Der Farbanstrich war sehr lange haltbar und farbintensiv. Erst im letzten Jahr haben wir den Spielplatz farblich wieder aufgepeppt. Unser Beton ist durch das spezielle Spritzverfahren sehr fest, feuchtigkeitsabweisend, nicht brennbar und damit vandalismusresistent. Außerdem absorbiert der Beton sehr gut die Sonnenstrahlung. Dadurch wird die Oberfläche nicht so heiß wie Metallgeräte oder dünnschichtiger Glasfaser-Beton. Ein Thema, das mit zunehmender Klimaerwärmung auch in unseren Regionen durchaus bedeutsamer wird.

Wasserspielplatz Am Eliaspark in Cottbus 

Ein anderes Beispiel ist der Wasserspielplatz Am Eliaspark in Cottbus. Diesen werden wir über mehrere Jahre nach und nach sanieren, je nach zur Verfügung stehender Spendenmittel.  Dieser Spielplatz erzählt die Geschichte der Spree von der Quelle in der Oberlausitz, bis zur Mündung in die Havel in Berlin. Dieser Wasserlauf mit den verschiedenen Städten und Landschaften wird nachgestaltet. 

Wasserspielplatz
Der außergewöhnlich gestaltete Wasserspielplatz im Eliaspark in Cottbus erzählt die Geschichte der Spree. Foto: build a rock

Im Moment arbeiten wir gerade am Spreewald. Der bietet natürlich unserer Kreativität riesige Spielräume mit versteinertem Holz, mit Wasserläufen, mit kleinen Ziehwehren. Wir arbeiten hier mit Landschaftsplanern und Architekten zusammen und setzen gemeinsam die besten Ideen um. Wir wissen, was unser Material kann, sorgen dafür, dass der Spielplatz sicher ist und attraktive Spielmöglichkeiten für die Kinder verschiedenen Alters bereithält. Ein sehr spannendes Projekt.

Vielen Dank, Herr Brand, für das Interview und die interessanten Einblicke in Ihre Arbeit. Wie sieht es mit euch aus? Eher #teamKletterfelsenOhjaaa oder #teamKletterfelsensindmirzuheikel ? Lasst gerne einen Kommentar da 🙂


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