„WASSER MARSCH!“ AUF DEM SPIELPLATZ

Wasserspielplätze stehen bei Kindern hoch im Kurs. Und eigentlich gibt es immer zu wenig davon. Zu teuer seien sie im Vergleich zu herkömmlichen Spielplätzen, heißt es oft. Doch vielleicht könnte das besondere Matschanlagen-Konzept der Stadt Moers eine Lösung sein? Mark Bochnig, vom Kinder-und Jugendbüro der Stadt Moers, erzählt wie’s funktionieren kann.

Wasserspielplatz_Moers

Hier interagieren alle Kinder miteinander tief in ihr Spiel versunken. Foto: Stadt Moers

 

Herr Bochnig, warum gibt es in Moers so viele schöne Wasserspielplätze?

Bochnig: Kinder erfahren auf Wasserspielplätzen den Umgang mit verschiedenen Naturelementen, wie Sand, Holz oder Wasser und können sich im selbst bestimmten Spiel frei und kreativ ausprobieren. Eine Matschanlage funktioniert außerdem altersübergreifend. Da haben alle etwas davon: Die Großen pumpen, die Kleinen schauen zu, matschen oder stauen Wasser. Alle Kinder agieren und kommunizieren miteinander, tief in ihr Spiel versunken.

Das ist besonders und das entspricht unserem erfahrungs- und handlungsorientierten pädagogischen Ansatz. Deshalb versuchen wir immer, wenn es das Budget hergibt, die Wasservariante auf einem Spielplatz mit einzubauen und eine Matschanlage hinzusetzen.

 

Und Moers hat das Geld für Wasserspielplätze?

Bochnig: Na ja, ein paar mehr Wasserspielplätze hätten wir auch noch gerne. Aber grundsätzlich entscheidet die Politik, wie viel Geld wohin verteilt wird. Wir haben die letzten drei Jahre ein Budget von 150.000 Euro, welches an bestimmte Landesmittel und Plätze gebunden ist, für die Spielplatz-Umgestaltung bekommen, um damit alte Matsch- und Spielanlagen wieder auf Vordermann zu bringen. Diese Summe steht auch für 2015 im Haushaltsplan. Davor hat sich die Stadt im Haushaltssicherungspakt befunden und das Budget für die Neu- oder Umgestaltung von Flächen und die Ersatzbeschaffung war auf Null gesetzt.

kinder-und-jugendbuero_moersDas Kinder- und Jugendbüro in Moers ist „Hausherr“ über die Spielplätze der Stadt und in allen Spielplatz-Belangen erster Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger. In enger Zusammenarbeit mit anderen Fachämtern sind Mark Bochnig und sein Kollege Achim Krenn auch an Planung, Umbau und Neubau von Spielplätzen beteiligt und achten dabei insbesondere auf die pädagogischen Aspekte.

Es ist also auch bei uns immer wieder ein Kampf, die Gelder durchzukriegen. Aber wenn wir sie haben, investieren wir auch in Wasserspielplätze. Diese müssen übrigens gar nicht teurer sein als andere Spielplätze, wenn man bei der Gestaltung ein paar Dinge beachtet.

 

Was machen Sie anders, damit Wasserspielplätze bezahlbar sind?

Bochnig: Wir benutzen zum Beispiel nur Materialien, die möglichst haltbar und trotzdem nicht zu teuer sind. Bei unseren Matschanlagen arbeiten wir deshalb viel mit Bodenmodellierung, Erdflächen, gegossenen Flächen aus Beton und großen Steinfelsen. So können Kinder gleichzeitig klettern und matschen.

Mit den dicken Steinen modellieren wir zum Beispiel den Umriss der Matschanlage und der Rest kann dann eine Sandfläche auf verschiedenen Ebenen sein. So ist kaum etwas vorgegeben, der Wasserspielplatz bleibt dynamisch und die Kinder können ihre eigene Kreativität entwickeln, eigene Wasserläufe und Staudämme bauen.

 

Haben Sie ein Beispiel für solche naturnahen Matschanlagen?

Bochnig: Beim Spielplatz Mondweg sieht man beispielsweise ganz gut, dass die Matschanlage auf einem Hügel steht und der Boden so modelliert wurde, dass es terrassenförmig nach unten geht. Dieses Konzept haben wir bei mehreren Spielplätzen umgesetzt, weil das so gut bei den Kindern ankommt.

Wasserspielplatz Mondweg in Moers. Foto: Stadt Moers

Wasserspielplatz Mondweg in Moers. Hier sind die Steine terrassenförmig angeordnet. Foto: Stadt Moers

Die Matschanlage auf dem Spielplatz im Nikolausweg haben wir etwas anders gestaltet. Hier steht die Pumpe zwar auch auf dem Hügel, aber die Steine sind nicht gerade und in einem konkreten Verlauf angeordnet, sondern kreuz und quer durcheinander. Da kann das Wasser in alle Richtungen laufen und die Kinder können überall buddeln und das Wasser stauen und die riesigen Felsen dienen noch als Kletterelement.

Wasserspielplatz Nikolausweg in Moers. Foto: Stadt Moers

Wasserspielplatz Nikolausweg in Moers. Hier fließt das Wasser in alle Richtungen. Foto: Stadt Moers

 

Was kostet denn so ein Wasserspielplatz?

Bochnig: Der Preis variiert je nach bereits vorhandener Infrastruktur. Wenn die Stadt erst noch die Leitungen vom nächstgelegenen Wasseranschluss zum Spielplatz verlegen muss, ist es natürlich teurer. Die eben erwähnte Matschanlage im Mondweg hat uns komplett mit dem Legen der Wasserleitungen, mit Bodenmodellierung, mit den Steinen 25.000 Euro gekostet.

Allein der so genannte Systemtrenner – eine technische Vorrichtung, die die Trinkwasserqualität sichert – kostet 2.500 Euro. Da kann ich sehr gut verstehen, wenn Kommunen sagen, das ist ihnen zu teuer. Wir hatten auch nicht immer die finanziellen Mittel, um auf einem Platz eine neue Infrastruktur herstellen zu lassen und eine Matschanlage neu zu bauen. Dennoch sind wir überzeugt von unserem einfachen Matschanlagen-Konzept und halten die Kosten so niedrig wie möglich. Insgesamt investiert die Stadt Moers jährlich 600.000 € für Instandhaltung und Pflege von Spielplätzen.

 

Fertig-Matschanlagen vom Hersteller kommen Ihnen nicht „ins Haus“?

Bochnig: Wir verzichten tatsächlich weitestgehend auf fertige Matschanlagen aus Holz oder Edelstahl-Parcours-Rinnen. Das Gute ist ja, bei unseren robusten Matschanlagen kann eigentlich wenig passieren. Die Naturmaterialien sind lange haltbar und wenn doch mal eine Reparatur notwendig ist, dann ist diese mit einfachem Gerät schnell ausgeführt.

Die klassischen Matschanlagen „von der Stange“ sind nicht nur aufwändiger zu warten, sie sind auch in der Anschaffung deutlich teurer. Außerdem zeigt uns der Vergleich mit Plätzen nach unserem Konzept, dass wir richtig liegen.

 

Haben Sie auch schon andere Konzepte ausprobiert?

Bochnig: Bei dem Spielplatz Grüner Weg sind wir vor ca. fünf Jahren tatsächlich mal einen anderen Weg gegangen und haben uns die gesamte Fläche von einem Landschaftsarchitekten planen lassen, mit Farb- und Flächenkonzept: Zentral in der Mitte steht erhöht die Pumpe und das gepumpte Wasser fließt die gelben Rinnen entlang in den Sandbereich, der sich an die rot-gelbe Fläche anschließt. Das hatte uns optisch gut gefallen, jedoch waren wir von Beginn an skeptisch, ob das spieltechnisch tatsächlich funktioniert. Und dann wurden wir enttäuscht.

Beim Wasserspielplatz Grüner Weg in Moers musste nachgebessert werden. Foto: Stadt Moers

Beim Wasserspielplatz Grüner Weg in Moers musste nachgebessert werden. Foto: Stadt Moers

Denn das gepumpte Wasser brauchte immer sehr lange, bis es endlich am Sand ankam. Die Kinder haben gepumpt und gepumpt, und trotzdem floss immer zu wenig Wasser verteilt auf die gesamte Fläche. So konnten die Kinder nicht richtig spielen, keinen Staudamm bauen, nichts. Deshalb haben wir entschieden, nachträglich die blauen Matschtische, die Sie auf dem Foto sehen, und den Sandbagger zu installieren, um den Spielspaß zu erhöhen. Jetzt ist es okay. Aber mit unseren einfachen Mitteln hätte das sicherlich schneller geklappt.

 

Sie reagieren also, wenn Ihr Spielkonzept nicht aufgeht?

Bochnig: Auf jeden Fall. Einen Teil unserer Zeit sind wir auf den Spielplätzen unterwegs und beobachten die Kinder natürlich auch viel beim Spielen. Dadurch sammeln wir wertvolle Erfahrungen, die wir dann wieder für unsere Arbeit nutzen. Uns ist generell wichtig, dass wir mit den Nutzern in Kontakt treten, Problemlagen besprechen und schauen, was es zu verbessern gibt.

Von Frühjahr bis Herbst sind wir auch deshalb zweimal pro Woche mit dem Spielmobil auf den Spielplätzen unterwegs. Bei schönem Wetter geht’s bevorzugt auf die Matschanlagen und dann werden Sandbagger verteilt. Oben pumpen Kinder unten bauen die Kinder mit den Baggern Gräben und Staudämme. Das ist ein riesiger Spaß für alle Beteiligten. Da sehen wir, wie gut das funktioniert.

 

Stichwort Risiko: Sind eigentlich alle Eltern von diesen großen Steinfelsen genauso begeistert wie Sie?

Bochnig: Nicht alle. Die übervorsichtigen Eltern sind manchmal besorgt, dass ihre Kinder von den hohen Steinen runterfallen oder sich an den harten Kanten verletzen könnten. Aber Eltern, die ihre Kinder ausprobieren lassen, sehen, dass die Kinder selbst lernen, mit den Steinfelsen umzugehen.

Wir sind davon überzeugt, ein gewisses Risiko gehört zur Lebenswelt dazu und ein Spielplatz ist ein geeigneter Ort, um in einer geschützten Umgebung entsprechende Erfahrungen zu sammeln. Wenn man auf einen Stein fällt, tut das weh. Wenn Sie so wollen gehört das mit zu unserem erfahrungs- und handlungsorientierten Ansatz.

Grundsätzlich gibt es übrigens viele Eltern und Bürgerinnen und Bürger, die unserer Arbeit wohlwollend gegenüber stehen und die durch ihr ehrenamtliches Engagement mithelfen, dass die Spielplätze in Moers noch besser werden.

 

Wie können Bürger mithelfen Spielplätze zu verbessern?

Bochnig: Seit drei Jahren gibt es in Moers nun schon ehrenamtliche Spielplatzpaten, inzwischen sind es 31. Das heißt, Bürgerinnen und Bürger, manchmal auch Schulen oder Vereine, kümmern sich ehrenamtlich um den Spielplatz in ihrer Nähe und sind vor Ort der direkte Ansprechpartner. Das ist uns eine große Hilfe. Denn so kriegen wir viel mehr mit über die Stimmungen, Wünsche, Meinungen der Spielplatz-Besucher und können schneller auf Probleme reagieren und das Angebot verbessern.

Uns ist bewusst, dass wir als Stadt gerade in Zeiten knapper Kassen sehr davon profitieren, wenn sich Menschen in Initiativen oder Vereinen für Spielplätze engagieren und zum Beispiel Spendengelder sammeln oder Arbeitseinsätze initiieren. Das wissen wir sehr zu schätzen. Gerne hätten wir mehr Zeit, um dieses Engagement noch intensiver betreuen und zeitnaher reagieren zu können.

 

Welchen Wasserspielplatz finden Sie besonders gut gelungen?

Bochnig: Da gibt’s sicherlich einige, die mir gut gefallen. Besonders toll finde ich aber den Spielplatz Freizeitpark / Krefelder Straße mit einer tollen Matschanlage gleich mit zwei Pumpstationen.

Der Wasserspielplatz Freizeitpark / Krefelder Straße in Moers ist besonders beliebt. Foto: Stadt Moers

Der Wasserspielplatz Freizeitpark / Krefelder Straße in Moers ist besonders beliebt. Foto: Stadt Moers

Auch die Matschanlage auf dem Geldermannshof finde ich toll. Die angelegten Steine bilden verschiedene Gänge, durch die das Wasser immer einen anderen Lauf nimmt. Außerdem gibt es auf diesen beiden Spielplätzen Spielbereiche für verschiedene Altersgruppen und einen Jugendbereich, so dass alle Besucher auf ihre Kosten kommen.

Wasserspielplatz auf dem Geldermannshof in Moers. Foto: Stadt Moers

Wasserspielplatz auf dem Geldermannshof in Moers. Foto: Stadt Moers

 

„Wasser marsch!“ In Moers kann das Sommerwetter kommen 🙂

Moers ist städtischer Kooperationspartner von Spielplatztreff. Entdeckt dort noch mehr Spielplätze und Wasserspielplätze in Moers.

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