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SPIELPLATZGESPRÄCHE: WELCHER MAMA-TYP BIST DU?

Während unsere Liebsten schaukeln, vertiefen wir Mütter uns in allerlei Spielplatz-Gespräche. Foto: Troy T / unsplash

Der Spielplatz ist DIE Parallelwelt schlechthin. Langweilig wird es hier nie. Man muss nur ganz genau hinhören. Kennt ihr sie auch, diese Gespräche unter Müttern? Oder anders gefragt: Welches Gespräch davon habt ihr selbst schon geführt? 😉

Ein Gastbeitrag zum Schmunzeln von GANZNORMALEMAMA.

In der Vor-Kind-Ära wusste ich nichts über die geheimen Codes auf dem Spielplatz, über die Kinderklamotten-Marken, die als Wickeltaschen getarnten Picknickkörbe, Fressgelage – und die unvergleichlichen Gespräche unter Müttern. Doch unser Spielplatz liegt mitten in der Innenstadt, das Publikum bunt gemischt und dadurch ist es immer wieder spannend.

Spielplatz-Regeln für Anfänger

Die Sonne scheint. Ein gemütlicher Nachmittag auf dem Spielplatz. Der Ort, wo ganz eigene Regeln gelten. Die meisten Kinder haben ihre Jacken ausgezogen. Aber dann kommen sie! Flotten Schrittes. Schon von weitem zu hören. Die drei Mütter in Trekkingjacken, sportlichen Wanderstiefeln und entsprechend angezogenen Kindern: Funktionsjacken, Funktionsmützen, Regenhosen, Gummistiefel. Es hat zwar seit drei Tagen nicht geregnet, aber so what. Sand ist Sand, ohne Survivalkit geht hier gar nichts. Während die Kinder sich ins Buddeln vertiefen, vertiefe sich die Mütter ins Gespräch, nicht ohne die Augen von ihren Sprösslingen im Grundschulalter zu lassen. 

Mädchen im Kleid auf dem Spielplatz
Viele Kinder sind auch auf dem Spielplatz top gestylt. Foto: pixabay

Die übrigens, das will ich noch mal anmerken, adretter und rausgeputzter sind als ihre Mamis. Wie sagte mein Mann mal auf einem Kinderflohmarkt in einem eher gut situierten, leicht ökologisch anhauchten Wohnviertel: „Die Kinder sind ja schicker angezogen als die Mamis.“

Mama-Typ Nr. 1: Die Survival-Mamis und ihre Gummistiefel-Kinder

Mutter 1: „Ich habe ja letztens so tolle neue Mützen von Finkid gesehen.“
Mutter 2: „Ja, die wollte ich ja auch noch bestellen.“
Mutter 3: „Bei Jako-o gibt es ja so tolle Schals, aus Fleece, ganz toll für den Winter.“
Mutter 1: „Lenchen, kannst du Peterchen bitte die Schaufel zurückgeben? Schau mal, wie er weint.“
Mutter 2: „Peterchen, deshalb musst du Lenchen doch nicht gleich mit Sand bewerfen.“
Mutter 3: „Wer möchte denn ein paar Kekse?“

Nach einer anständigen Keks-Ess-Orgie (Vollkornkekse) dreht sich das Gespräch noch eine Weile um die besten neuen Jacken und die Worte Jack Wolfskin, Finkid und Jako-o fallen noch häufiger.

Langweilig. Ich pirsche mich an die nächste Muttergruppe heran. Auch hier dominieren bequeme Treter, aber aus Leder, dazu Strickjacken und Tragetücher für die Dreijährigen, die statt Funktionsmatschhose das flotte Exemplar aus Leder samt selbstgestricktem Wollpulli tragen. Statt Eimer und Schaufel haben sie Tannenzapfen und Stöcker dabei.

Mutter-Typ Nr 2: Die veganen Ökomamis und ihre Lederhosen-Mäuschen

Mutter 1: „Seit wir uns vegan ernähren, hat der Maxi ja keine Bauchschmerzen mehr.“
Mutter 2: „Ja, im Reformhaus gibt es ja so einen tollen Reisdrink, seitdem ich den in den Kaffee tue, geht es uns viel besser.“
Mutter 3: „Also Kaffee trinke ich ja auch nicht mehr. Auch keinen Grüntee. Wir haben im Garten so viele Brennesseln, seitdem wir die zu Tee machen, kommen die Kinder immer so gut zur Ruhe.“
Mutter 1: „Ach, das Rezept musst du mir auch mal geben. Wir trinken ja auch so gerne Kräutertee.“
Mutter 2: „Mein Osteopath hat mir ja auch Tee aus Heidelbeerblättern empfohlen. Der ist so gut für die Verdauung.“
Mutter 3: „Die Pupse von den Kindern stinken dann tatsächlich gleich viel weniger. Das bindet die Giftstoffe, hat meine Heilpraktikerin auch gesagt.“

Kind von Mutter 1 ist über den Stock von Kind von Mutter 2 gestolpert und weint. Synchron werden die Arnika-Kügelchen gezückt und dem weinenden Kind reingeschoben. Mutter 3 packt ein paar Apfelschnitze aus, bio, Mutter 2 schiebt sich den vierjährigen Sohnemann an die freigelegte linke Brust.

(Den Vater der veganen Familie habe ich übrigens letztens Mettbrötchenessend beim Bäcker getroffen.)

Ein paar Meter weiter wird auch grad gepicknickt. Es gibt Chips und den Rest Toastbrot mit Nutella aus der Kindergartenfrühstücksbox mit den lustigen Disney Cars drauf. Während eine Chantall und ein Üffes sich darüber hermachen, sitzen die Mamas rauchend am Spielplatzrand und inspizieren ihre Glitzer-Nägel.

MutterTyp Nr. 3: Die tätowierten Mamis mit den Chipsfressern

Mutter 1: „Ich muss dringend mal wieder Nägel machen lassen.“
Mutter 2: „Ach, da fällt mir ein, ich muss noch mal mein Tattoo nachstechen lassen.“
Mutter 1: „Echt, welches denn?“
Mutter 2: „Den Tiger hier.“ (zieht sich die Hose übers Knie)
Mutter 1: „Oh, sowas will der Rico ja auch schon lange mal machen lassen.“
Mutter 2: „Seid ihr denn wieder zusammen, Rico und du?“
Mutter 1: „Ja, er ist gestern wieder eingezogen. Aber die Nancy hat mir gesagt, ich soll aufpassen, er geht ja nach der Arbeit immer noch in die Spielhalle.“

Es entwickelt sich ein Dialog über die Männer und ihre Spielvorlieben, das Geld, was sie nicht haben und trotzdem ausgeben und wie lieb sie trotzdem sind, während die Kinder sich mit Sand bewerfen und die Chipstüte in die Büsche werfen.

Es ist 16.30 Uhr, nun kommen auch die Vollzeit-Kita-Platz-Mütter angerauscht. Die Kinder adrett in Kleidchen und Röckchen, fein säuberlich mit Namen versehene Eimerchen unterm Arm, die Mütter mit Ballerinas und Sakko, den Pappkaffeebecher in der Hand.

Mutter-Typ Nr. 4: Die Vollzeitarbeitenden mit dem Nachmittagsprogramm

Mutter 1: „Seit Charlotte nicht mehr im Kindergarten schläft, geht sie abends immer schön um halb 7 ins Bett.“
Mutter 2: „Ich sage das den Erzieherinnen ja immer wieder, dass sie Ben nicht hinlegen sollen, weil er sonst nicht für 7 ins Bett gehen will. Aber sie meinen, er ist immer so müde.“
Mutter 1: „Aber es ist ja dein Kind. Und ich meine, wo ist denn der Feierabend, wenn die Kinder erst um sieben im Bett sind?“
Mutter 2: „Ja, ein bisschen Zeit für mich möchte ich ja auch haben.“

Kind spielt in der Sandkiste
Nach dem Sandeln gelangt oft Sand mit nach Hause. Foto: Markus Spiske / unsplash

Die Kinder haben Schokocroissants in der Hand und wollen sich gerade in die Sandkiste setzen, als Mutter 1 aufkreischt: „Nein, nicht in den Sand! Die Putzfrau war heute gerade da!“ Die Kinder stehen etwas unschlüssig herum. Mutter 1: „Nun geht schon spielen, wir sind schließlich auf dem Spielplatz!“

Nach zehn Minuten ist der Kaffee ausgetrunken, Mutter 1 ruft das Töchterchen herbei: „Wir müssen jetzt zum Ballett.“ Mutter 2 beeilt sich, den Sohnemann von der Rutsche zu pflücken: „Und wir gehen jetzt noch zum Schachunterricht.“ Der Sohne murmelt: „Nein, habe ich Englisch.“ – „Achja, Schach ist ja morgen. Und freitags gehen wir jetzt übrigens immer zum Geigenunterricht, das hat er sich ja so gewünscht. Man kann das ja schon mit vier Jahren lernen, wusstest du das?“ – „Nein, aber die Adresse musst du mir mal gehen. Charlotte mag ja so gerne klassische Musik.“ Und so ziehen sie von dannen.

Mutter-Typ Nr. 5: Die Supermamis, die bei allem mitmachen

An der Rutsche stehen zwei andere Mütter und feuern ihre fünf Jahre alten Kinder abwechselnd beim Rutschen an: „Bravo! Ganz toll, alleine gerutscht! Super!“ Hier sind die Supermamis! Danach zerren sie die Kinder in die Sandkiste und zeigen ihnen, wie man eine richtige Sandburg baut. Mit Turm und Fähnchen und Treppen und Tunnel und Burgmauer. Sie kommen nicht zum Sprechen, diese zwei Mütter, jedenfalls nicht miteinander, denn sie erklären ihren Kindern jeden Schritt, ganz genau: „Und schau, wenn du eine schöne Treppe haben willst, dann musst du das hier so ganz glatt ziehen. Und dann noch eine schöne Fahne obendrauf.“

„Huuuiiiii! Schaukeln macht Spaaaaaß!“ Manche Mamas sind mittendrin statt nur dabei 😉 Foto: pixabay

Anschließend zerren sie die Kinder weiter zum Karussell, wo sie ganz schnell mitfahren und das mit „Hui, ganz schnell“-Schreien vertonen. Ach, diese Mamis haben richtig viel Spaß! Und wie sie sich um ihre Kinder kümmern! Einfach toll.

Quoten-Vater: Der Superpapa mit den weißen Turnschuhen

Bis der Superpapa aus der Papa-in-Elternzeit-Fraktion in voller Fahrt mitaufspringt, ihr wisst schon, der von dieser Sorte, die als einziger beim Kinderturnen blitzeblanke weiße, nagelneue Turnschuhe trägt (wären alle anderen sockfuß über den Hallenboden schlittern). Superpapa hat Sohnemann dabei, zwei Jahre, verschrecktes Gesicht, aber Superpapa will mal zeigen, wie man richtig schnell Karussell fährt. Waghalsig bleibt er stehen, freihändig, springt in voller Fahrt ab, gibt Anschwung, gibt alles, springt auf, reckt die Arme in die Luft, springt ab und ist voll dabei. Auch er kann nicht viel reden mit den anderen Vätern, die auf der Bank sitzen. Das sind die zwei Papis, deren Kinder die Mützen immer falschherum aufhaben und manchmal nach dem Kindergarten auch Jacken anhaben, die sie morgens gar nicht anhatten. Hier auf der Bank geht es um Computerspiele, ein Gebiet, auf dem ich beträchtliche Wissenslücken gestehen muss und mich deshalb weiter in die nächste Ecke schleiche.

Hier steht eine kleine Mutter vor einem riesigen Klettergerüst und ruft ihrem Zehnjährigen verzweifelt zu: „Nicht so hochklettern, vorsichtig, du fällst sonst runter.“ Sohnemann ist knapp einen Meter hochgeklettert. Wohlgemerkt.


portrait ganz normale Mama
Nathalie – eine ganz normale Mama
Dieser Beitrag wurde bereits 2015 in leicht abgewandelter Form im GANZNORMALEMAMA Blog veröffentlicht. Den betreibt Nathalie Klüver – eine ganz normale Mama von zwei Söhnen (7 und 5 Jahre) und einer Tochter (1,5 Jahre). Sie lebt mit ihrer Familie in Lübeck und ist freiberufliche Journalistin sowie Autorin zahlreicher Bücher. 


Bücher von Nathalie:

Nathalie Klüver: „Das Familienkochbuch für nicht perfekte Mütter“*, erschienen im März 2020 beim TRIAS Verlag.


Nathalie Klüver: „Afterwork Familie: Wie du mit wenig Zeit dich und deine Familie glücklich machst“*. Erschienen im August 2019 beim TRIAS Verlag.


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Anmerkung von Nathalie:

Ich möchte hier niemanden in die Pfanne hauen. Das Ganze ist einfach lustig gemeint. Also bitte: Lachen, sich vielleicht hier und da ertappt fühlen, und nochmal lachen! 😉 Denn mal ehrlich: Haben wir nicht alle unsere Macken?! Und das Tolle an Kindern ist ja auch, dass sie verbinden und auf dem Spielplatz Menschen miteinander ins Gespräch bringen, die sich sonst gar nicht angeguckt hätten.


Auf Spielplatztreff sind über 60 Spielplätze in Lübeck, der Heimatstadt von Nathalie, verzeichnet. Klickt euch gerne mal rein und stürzt euch ins nächste Spielplatz-Gespräch 🙂 

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Veröffentlicht in
Spielplatz-Zeit

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