„EIN SPIELPLATZ STÖRT EINFACH“

Privates Engagement kann viel bewegen. Aber manchmal leider auch nicht. Zum Beispiel dann, wenn zu große Steine im Weg liegen und alt und jung nicht zueinander finden. Aline Sommer aus Unterschleißheim hat das erlebt und einen Schlussstrich gezogen. Was lief schief? Wir haben nachgefragt.

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Blick auf den nun fast leeren Spielplatz am Valentinsfeld. Foto: Sommer

 

Frau Sommer, Sie wollten den völlig heruntergekommenen Eigentümer-Spielplatz vor ihrer Haustür verschönern. Wir hatten darüber berichtet. Wie sieht der Spielplatz heute aus?

Sommer: Tja, eigentlich ist der Spielplatz am Valentinsfeld jetzt noch öder als vorher. Denn nun gibt es dort auch den alten Sandkasten nicht mehr. Den hatten wir entfernt, weil uns ein neuer versprochen wurde. Und eigentlich sollte es noch einen Kriechtunnel und einen Geräteschuppen für mobile Bänke, Tore oder eine Tischtennisplatte geben. Aber es ist alles im Sande verlaufen. Am Ende hat der Eigentümer-Vorstand nicht geliefert.

Es ist wirklich nichts passiert? Schade!

Unsere Idee war ja, den Spielpatz als Treffpunkt für alle Bewohner wiederzubeleben, anstelle der Anschaffung teurer Spielgeräte. Und der Deal war: wir Eltern (also die, die einen Spielplatz wollen) machen den Anfang und „beweisen“ ihren Willen. Wir haben den gesamten kaputten Asphalt weggemacht und dort Rasen gesät. Ebenso den alten Sandkasten zugeschüttet. Das waren viele Stunden Arbeit. Im letzten Jahr haben dann einige „Junge“ den Rasen ab und an gemäht.

Doch aus der Siedlungskasse, die übrigens gut gefüllt ist, ist kein Euro investiert worden. Wahrscheinlich, um uns zu „bestrafen“, denn die „Alten“ erwarten, dass wir da regelmäßig den Rasen mähen bzw. im Herbst Laub zu harken. Aber ich werde den Spielplatz erst pflegen, wenn es wirklich wieder ein Spielplatz ist. Andere denken auch so. Und so wartet jeder auf den anderen und bei uns bleibt das Gefühl, als billige Arbeitskräfte ausgenutzt worden zu sein.

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Die Wippe ist eines von zwei übrig gebliebenen Spielgeräten auf dem Spielplatz am Valentinsfeld. Foto: Sommer

 

Nun haben Sie aufgegeben, sich für diesen Spielplatz einzusetzen. Wie tief sitzt die Enttäuschung?

Ach nun, anfangs war ich schon enttäuscht. Aber ich bin eben auch Pragmatikerin. Wenn sich mein Engagement nicht lohnt, keine Früchte zeigt, dann investiere ich woanders. Ich habe meinen guten Willen bewiesen, aber wenn es nicht sein soll, dann eben nicht.

Woran sind Ihre Pläne gescheitert?

Am Generationskonflikt. Die meisten der Eigentümer sind über 70, das Thema Kinder und Spielplatz spielt keine Rolle in deren Leben und sie wollen keinen Lärm. Ein Spielplatz stört einfach und dann kommen noch fremde Kinder und Jugendliche. Das geht schon gar nicht.

Nur etwa 10 Prozent der Häuser sind mit Familien mit Kindern bewohnt. Und manche sind auch nur Mieter. Die haben nämlich noch weniger Rechte hier. Ich selbst wurde beschimpft und einige Leute grüßen mich bis heute nicht. Einer von den Alten hat sogar damals ein Rundschreiben verfasst, in dem er beschrieben hat, dass Kinder keinen Spielplatz brauchen und seine Kinder im Garten groß geworden sind. Völliger Blödsinn. Von anderen weiß ich, dass der Spielplatz damals sehr attraktiv war, weil er viele „Geräte“ hatte und weil es eben auch viel mehr Kinder in der Siedlung gab.

 

Sie glauben also, dass die Alten kein Verständnis für die Jungen haben?

Ganz ehrlich: nein. Überhaupt nicht. Ich stehe mit dieser überversorgten, arroganten Rentnergeneration hier auf Kriegsfuß. Denen ging es in den letzten 30 Jahren einfach zu gut, haben sich sogar als Alleinverdiener Häuser finanziert in denen sie jetzt wohnen, wogegen die Jungen sich in Zweizimmerwohnungen quetschen. Nein, viele Alte denken nicht an die nachfolgende Generation.

Und die jungen Leute? Die haben keine Zeit, weil Sie eben sehr viel arbeiten, um sich hier die horrenden Mieten zu leisten oder ihre Häuser abzuzahlen. Hier in der Siedlung und in der Stadt sind die Alten in der Überzahl. Das merkt man bei vielen Dingen.

 

Schon damals wollten Sie auch die Situation auf anderen Spielplätzen in Unterschleißheim verbessern. Ist da denn etwas passiert?

Immerhin, haben wir eine Unterschriften-Aktion organisiert, die insofern etwas gebracht hat, als das alte Spielhäuschen auf dem Spielplatz im Valentinspark durch ein neues, sehr schönes ersetzt wurde.

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Durch eine Unterschriften-Aktion wurde ein neues Spielhaus aufgestellt. Foto: Sommer

Die anderen Spielplätze sind allerdings wie gehabt. Einen richtig schönen Spielplatz gibt es weiterhin nur am Stadtrand, Lohhof-Süd, in der Dietersheimer Straße.

Aber auch hier werde ich mich nicht weiter engagieren. Ich hatte einen Termin beim Bürgermeister und dann noch einen Termin beim zuständigen Verwaltungsreferenten. Der war sehr nett, der Sache aufgeschlossen und hat mir die Probleme genannt. Unter anderem gab es unter dem alten Bürgermeister zwei Jahre kein Budget für Spielplätze. Und dann ist da eine nicht vorhandene Akzeptanz im Stadtrat. Er hat es nicht so gesagt, aber durch die Blume, in unserem Stadtrat sitzen überwiegend alte Leute.

Seit letztem Jahr gibt es hier einen Bürgeretat. Da können Bürger Vorschläge für die Verwendung von 100.000 Euro einreichen. In der Zeitung habe ich gelesen, dass es viele Stimmen für die Sanierung der Spielplätze gab. Aber investiert wurde, glaube ich, noch nicht. Jedenfalls habe ich nirgends etwas gesehen.

 

Das heißt Sie haben Ihr Engagement für Spielplätze in Unterschleißheim eingestellt?

buergerhaushalt-unterschleissheimJa, bis auf die Vorschläge zum Bürgerhaushalt schon. Dort habe ich einen Vorschlag eingereicht, den Spielplatz in der Alleestraße neu zu gestalten. Es fehlen Klettermöglichkeiten gänzlich und Wasser wäre natürlich auch sehr schön. Die Bürger können nun für meinen Vorschlag abstimmen.

Ansonsten bin ich aber auch beruflich sehr ausgelastet. Im Herbst 2013 habe ich mich selbstständig gemacht. Ich stecke meine Energie lieber in mein eigenes Business und meine Kinder werden auch so groß.

Vielen Dank, Aline Sommer, für dieses offene Gespräch. Und, wer weiß, vielleicht ist durch Ihren Vorschlag im Bürgerhaushalt noch etwas drin für die Unterschleißheimer Spielplätze?

Welche steinigen Erfahrungen habt ihr gemacht?

 

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