„NACH KURZER ZEIT ENTDECKEN ALLE KINDER WIEDER IHREN KÖRPER“

Seit 16 Jahren fährt das Spielmobil in Hilden – eine Erfolgsgeschichte! Mike Dörflinger, Diplom-Sozialpädagoge bei der Stadt Hilden, ist von Beginn an mit viel Herzblut dabei. Wir haben nachgefragt…

Das Spielmobil Hilden ist seit 16 Jahren in den Stadtteilen unterwegs. Foto: Jugendförderung Hilden -md

Das Spielmobil Hilden ist seit 16 Jahren in den Stadtteilen unterwegs. Foto: Jugendförderung Hilden -md

 

Herr Dörflinger, das Spielmobil ist Ihr “Baby”. Würden Sie sagen, Ihre emotionale Verbundenheit zu diesem Projekt ist Teil des Erfolgs?

Dörflinger:  Menschen, die im sozialen Bereich tätig sind, werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass es ohne das entsprechende Engagement gar nicht geht … oder aber ganz schnell wieder vorbei ist! Insofern ein klares “Ja“ zu dieser Frage.

Hinzu kommen Beharrlichkeit, Ausdauer, Professionalität und vor allem eine Vision/Idee von Möglichkeiten zu haben, die für die Familien und Kinder entstehen…

 

Bereits 1997 ging das Spielmobil für eine Test-Saison an den Start. Wie kam es dazu und wie war die Reaktion der Leute?

Dörflinger: Die Jugendförderung Hilden wollte damals neue Wege gehen – mehr in den Stadtteil hinein, da hin, wo die Kinder und Jugendlichen sind. In den Sommermonaten waren die Jugendeinrichtungen eher leer und so bot sich das an.

Mobile Angebote auf Spielplätzen – sozusagen im Wohnzimmer von Kindern und Jugendlichen – durchzuführen, war eine sehr gute Idee!

Zum Teil wurden wir mit unserem Spielzeug aus dem Stehgreif von 100 Besuchern begrüßt: die Eltern brachten sogar Kaffee und Kuchen mit, während die Kinder spielten. Alle wollten so ein mobiles Angebot regelmäßig haben. Das war auch das Ergebnis einer aktivierenden Befragung während der zehn durchgeführten Einsätze in der Pilot-Saison 1997. 600 ausgefüllte Fragebögen kamen damals zurück, das überzeugte die Stadtverwaltung und so wurde ich ab 1998 umgesetzt und sollte zukünftig als Projektverantwortlicher ein solches Angebot regelmäßig durchführen.

 

Was genau bietet das Spielmobil Hilden?

Dörflinger: Unter dem Motto: “Viel Spaß, Lust, Spiel, Sport und Spannung“ führen wir kostenlos pädagogisch betreute offene Spielangebote für Kinder in Hilden durch, auch heute noch.

Neben Fahrgeräten, Spieleklassikern und einer Hüpfburg sowie etlichem mobilen Inventar gibt es auch einen Verkaufstand, an dem Wasser & Schorle, Wassereis und frische Grillwurst zu wirklich familienfreundlichen Preisen verkauft wird. Das kommt gut an, neben den Einwohnern auch bei Familien aus dem Umland, die extra nach Hilden zum Spielmobil wollen, weil es das in ihrer Stadt nicht gibt.

Hinzu kommt in meinem Fall noch, dass ich als Ansprechpartner in Bezug auf die Städtischen Spielplätze für Bürgerinnen und Bürger sowie die Spielplatzpatinnen und –paten bei jedem Spielmobil-Einsatz vor Ort zur Verfügung stehe. Das wird hier sehr gerne genutzt.

Die Spielmobil-Saison geht von Anfang April bis Ende September. Zweimal pro Woche, jeweils dienstags und donnerstags, in der Zeit von 15:00 – 19:00 Uhr fährt das Spielmobil (bei gutem Wetter!) zu vorher festgelegten Spielplätzen, Schulen und Kindergärten in Hilden und kommt damit auf ca. 30-35 Einsätze pro Saison. Bei Bedarf kann das Spielmobil an den Wochenenden für Feste, Veranstaltungen, Events etc. gegen Entgelt gemietet werden. Aber nur für das Stadtgebiet Hilden.

 

Obwohl mittlerweile Computer und Internet zu Hause locken, fährt das Spielmobil pro Saison 30-35 Einsätze! Wie erklären Sie diesen Erfolg?

Dörflinger: Kinder haben heute immer weniger “echte“ Freizeit. Zwischen Schule, OGS, Kommunions- oder Konfirmandenunterricht, Vereinssport, musikalischer Früherziehung etc. bleibt oft wenig Zeit, um einfach mal Kind zu sein und frei zu spielen!

Und dann bieten TV und Internet zusätzlich auch noch viele optische Reize, die die Sinne zum Teil deutlich überfluten. Den eigenen Körper ausprobieren, gemeinsam mit Gleichaltrigen spielen und sich austoben, zurück zu den Basics, ist ein ganz anderer Ansatz. Bewegungslegastheniker (auf der Hüpfburg) contra austrainierte Daumen (an der Spielkonsole) – schon nach kurzer Zeit entdecken alle Kinder wieder ihren Körper und merken, dass es draußen auf dem Spielplatz mehr Spaß macht, als zuhause auf dem Sofa. Eltern schätzen das sehr.

Einsatz in der Katholischen Theresienschule, Juli 2013, Foto: Jugendförderung Hilden -md

Einsatz in der Katholischen Theresienschule, Juli 2013, Foto: Jugendförderung Hilden -md

 

Nennen Sie drei Argumente, warum sich jede Stadt ein Spielmobil leisten sollte.

Dörflinger: 1. Kinder sind unsere Zukunft. Sie sollten auf dem Weg zum erwachsen werden auch Kind sein dürfen und ihre Bedürfnisse, z.B. Spielen, mit Gleichaltrigen ihrem Alter entsprechend ausleben können.

2. Sport und Bewegung, Förderung der Motorik bei Kindern; soziales Lernen in der Gruppe; Mitwirkung und Partizipation bei der Auswahl von neuen Spielgeräten.

3. Die Leute kommen wieder zusammen und sprechen miteinander, während ihre Kinder spielen. Unterhaltungen über die Kinder, Erziehung, Alltägliches, aber auch über Spielplätze etc. Aktive Stadtteilarbeit ist hier ein Stichwort: man lernt immer wieder neue Orte, Menschen und Einrichtungen kennen – alles gut für ein harmonisches Wohnklima!

 

Einsatz im Städtischen Familienzentrum "Die Arche", Juni 2013, Foto: Jugendförderung Hilden -md

Einsatz im Städtischen Familienzentrum „Die Arche“, Juni 2013, Foto: Jugendförderung Hilden -md

 

Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, um langfristig ein Spielmobil anbieten zu können?

Dörflinger: Entsprechende Einsicht und Weitblick bei der Stadtverwaltung bzw. beim Träger. Die Überzeugung, mit einem solchem Projekt das Richtige zu tun. Die Bereitschaft, auch verbindlich Gelder zu investieren, um solch ein Projekt inhaltlich & finanziell zu tragen und zu fördern sowie auch das Vertrauen in die geleistete Arbeit.

Aus organisatorischen Gründen ist ein entsprechendes Angebot an Ressourcen unerlässlich: Material/Spielgeräte, engagierte und gut geschulte Mitarbeiter sowie ein entsprechendes Raumangebot mit multifunktionalen Möglichkeiten – am besten natürlich unter einem Dach. Das wäre optimal. Ohne diese Faktoren geht es nicht.

 

Inwieweit nutzen Sie das Spielmobil, um sich mit Spielplatz-Nutzern auszutauschen?

Dörflinger: Es besteht eine sehr gut funktionierende Kooperation mit dem Kinderparlament, welches die Interessen aller Hildener Kinder vertritt. Die haben eine “Meckerecke“ auf jedem Spielmobil-Einsatz und nehmen auch Anträge von Kindern entgegen, um ggf. auf Missstände hinzuweisen bzw. diese zu beseitigen.

Einsatz in der Freien Christlichen Schule, April 2013, Kooperation mit dem Kinderparlament Hilden, Foto: Jugendförderung Hilden -md

Einsatz in der Freien Christlichen Schule, April 2013, Kooperation mit dem Kinderparlament Hilden, Foto: Jugendförderung Hilden -md

Bei der Auswahl von neuen Spielgeräten auf Spielplätzen und an Schulen – bei neuen Spielflächen und auch bei Umgestaltungen ist uns die Partizipation von Kindern ganz wichtig.

Außerdem sind wir auch als Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Spielplatzpaten, aber auch für Anwohner und Nachbarn, z.B. bei Beschwerden, da, und dienen quasi als Bindeglied zwischen dem Bürger und der Verwaltung. Weil uns der Austausch wichtig ist, haben wir z.B. die Spielplätze über Spielplatztreff zugänglich gemacht.

 

Wie sieht die Zukunft des Spielmobils aus? Gibt es, trotz aller Erfolge, bisher noch unerfüllte Wünsche?

Dörflinger: Nun, der alte Wagen kommt in die Jahre und soll bald ersetzt werden, spätestens im kommenden Frühjahr. Außerdem ist Hilden sehr eng bebaut und das bestehende Material daher auf mehrere Standorte verteilt. Durch bauliche Erfordernisse ergeben sich neue Schwierigkeiten, so werden wir u.a. Parkmöglichkeiten verlieren. Hier wäre eine komplette Lösung – alles an einem Ort, unter einem Dach – der größte Herzenswunsch. Ansonsten ist alles gut, so wie es ist.

Es ist beeindruckend, mit wie viel Enthusiasmus und Professionalität beim Spielmobil in Hilden gearbeitet wird. Hut ab und weiter so!


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