Die Brigitte MOM hat kürzlich ein Spielplatz Bullshit-Bingo veröffentlicht. Fand ich lustig – also hab ich’s auf unserer Spielplatztreff Facebook-Seite geteilt. Zu einigen Statements schossen mir spontan Gedanken durch den Kopf, die ich mal aufgeschrieben habe…

Brigitte MOM Spielplatz Bullshit-Bingo

Brigitte MOM Spielplatz Bullshit-Bingo

 

„Toll, aber halt dich gut fest, ja?“

Früher, kam mir dieser Satz deutlich häufiger über die Lippen, wohl oft auch reflexhaft, sicher ist sicher. Bis ich ein Interview mit Peter Bechert, Spielplatzverantwortlicher in Nürnberg, geführt habe. Bechert meinte damals: Kinder verfügen über eine 1A Selbstsicherung und schätzen ihr Können in der Regel richtig ein. Die Erfahrung zeigt, Kinder klettern nur soweit wie sie es sich zutrauen, und sie klettern quasi mit einer Dreipunktsicherung: zwei Füße, eine Hand – zwei Hände, ein Fuß. Darauf hatte ich vorher nie geachtet, aber es ist wahr. Seitdem weise ich meine Kinder häufig weniger darauf hin, sich doch bitte gut festzuhalten und vertraue viel mehr darauf, dass sie sich und die Situation gut einschätzen können.

Hier im Video ist das Klettern mit Dreipunktsicherung schön zu sehen:

„Nein, du darfst nicht barfuß.“

Schuhe an. Schuhe aus. Schuhe wieder an… Dieses Spiel haben meine Tochter und ich tatsächlich eine zeitlang viel gespielt, obwohl wir beide dieses Spiel überhaupt nicht mochten. Schon als kleines Baby liebte meine Tochter Frischluft an ihren Füßen. Anfangs die Socken, später waren es die Schuhe… Beides wurde bei jeder sich bietenden Gelegenheit (besonders gerne auf dem Spielplatz) ausgezogen, egal, welche Außentemperaturen herrschten.

Irgendwann habe ich beschlossen, mich nicht mehr einzumischen. Ich habe verstanden: Das Kälteempfinden meiner Tochter unterscheidet sich ganz wesentlich von dem meinem – sie friert wirklich sehr viel später als ich. Außerdem habe ich festgestellt, dass mein so oft prophezeiter Schnupfen („Du erkältest dich mit nackten Füßen.“) nur äußerst selten eingetreten ist. Ist ja auch gut zu wissen.

„Nein, das ist nicht deine Schaufel.“

Bei uns wird umgekehrt ein Schuh draus: Ich erinnere mich noch sehr gut daran… Meine Tochter gehörte früher eher zu denen, die ihren Besitz an Sandspielzeug bewachten, anstatt sich nach den Schaufeln anderer Kinder umschauen.

Alarm: Will da etwa jemand meine grüne Schaufel stibitzen? Foto: Schilling

Hey, versucht da etwa jemand meine grüne Schaufel zu stibitzen? Foto: Schilling

Zeitweise vergaß sie über das Bewachen ihrer Sandsachen sogar das Buddeln. Dann tat sie mir manchmal schon fast ein bisschen Leid. Aber auch wenn mich das teilweise etwas aus der Ruhe brachte, hielt ich mich an dem Wissen fest, dass auch solche Marotten in bestimmten Entwicklungsphasen dazugehörten und dann wieder von alleine verschwanden. Mit anderen Worten: Heute sind wir übern Berg.

„Nein, auf dem Karussell wird Mama schwindelig.“

Wenn es nur das Karussell wäre, dann hätte ich ein Einsehen, denn das dreht sich wirklich verdammt schnell und alles muss ich auch nicht mehr mitmachen. Aber eigentlich ist es schlimmer! Denn ich habe festgestellt, dass ich auch das Schaukeln nicht mehr vertrage.

Karussell auf dem Spielplatz im Richterweg in Lehrte. Foto: Stadt Lehrte

Gibt es Eltern, denen auf diesem Karussell nicht schlecht wird? Foto: Spielplatz im Richterweg in Lehrte / Stadt Lehrte

Bei meinem ersten Kind habe ich das noch gar nicht bemerkt – mein Sohn war nicht so der Schaukler und bot mir daher wenig Gelegenheit, mich diesbezüglich zu testen. Aber drei Jahre später brach sich meine Schaukel-Unverträglichkeit mit Wucht Bahn und blieb. Für meine Tochter war Schaukeln das Größte und so nahm ich sie, als sie noch zu klein war, um sich selbst auf einer Schaukel zu halten, oft auf meinen Schoß und wir sind dann gemeinsam geschaukelt. Sie liebte das! Nur leider ging das nie so lange gut, wie sie es gerne gehabt hätte und schon nach kurzer Schaukelzeit hörte ich mich sagen: „Jetzt kann die Mama nicht mehr. Puh, mir wird ganz schlecht.“ Tja, das war sogar für mich frustig! Inzwischen schaukelt meine Tochter prima alleine – und ihr wird ganz und gar nicht schwindelig, übrigens auch nicht auf dem Karussell.

„Gibt’s hier irgendwo Kaffee?“

Eine Frage, die ich mir nach wie vor auf Spielplätzen stelle und immer wieder enttäuscht bin, dass die Antwort häufig negativ ausfällt. Dabei sollte sich doch mittlerweile herumgesprochen haben, dass Spielplatz-Mütter Kaffee lieben. (Wie ist das eigentlich mit Spielplatz-Vätern?) Gemeinsam mit Freundinnen haben wir uns zu Beginn unserer „Spielplatz-Mama-Zeit“ oft gefragt: Warum gibt es eigentlich keine mobilen Kaffee-Wagen, ähnlich wie diese Eiswagen, die immer im Sommer am Spielplatz stehen? Das wäre doch echt mal ’ne Marktlücke, oder?

Wie sieht’s bei euch aus? Welche Bullshit-Bingo-Statements sind euch vertraut?