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EICHENPROZESSIONSSPINNER: KLEINE RAUPE, GROSSE WIRKUNG!

Diese kuschelig anmutende Raupe kann uns Menschen ziemlich gefährlich werden. Foto: Daniela Antoni

Jedes Jahr geistert der Eichenprozessionsspinner durch die Medien und über die Spielplätze. Ziemlich gefährlich sei dieser! Sogar Spielplatz-Sperrungen gehen regelmäßig auf sein Konto. Daniela Antoni, Sachverständige für Bäume, erklärt uns, warum dieses kleine Tierchen für uns so gefährlich werden kann.

Eichenprozessionsspinner – ein komplizierter Name. Frau Antoni, womit haben wir es hier genau zu tun?

Antoni: Der Eichenprozessionsspinner ist eine Schmetterlingsart – braun, ziemlich unscheinbar und nicht besonders groß. Er entwickelt sich vom Ei, zur Larve, über die Puppe, die Raupe bis hin zum Falter. Wobei vom Schmetterling selbst keine Gefahr für uns Menschen ausgeht. Vielmehr sind es die so genannten Brennhaare, die ab dem 3. Larven-Stadium auf dem Rücken der Raupe wachsen, vor denen wir uns in Acht nehmen sollten. Sie enthalten ein allergieauslösendes Gift. 

Die Raupen wandern auf der Suche nach Nahrung am Eichenstamm entlang. Die feinen, hellen Brennhaare sind sehr gut zu erkennen. Foto: Daniela Antoni

Wie gelangen diese Brennhaare von der Raupe zu uns Menschen?

Durch die Berührung mit Blättern oder durch Windbewegungen können die Haare abbrechen. Ehe diese auf den Boden treffen, legen sie kurze, aber auch weite Strecken (mehrere 100 m) zurück. Somit kann es jederzeit zum Kontakt mit Menschen oder Tieren kommen. Die Haare dringen dabei mechanisch in die Haut ein (ähnlich wie bei der Brennnessel) und verbreiten so die giftige Substanz auf biochemischem Weg in unserem Körper. 

Welche Symptome können beim Kontakt auftreten?

Eine ganze Menge Symptome: Von lokalen Hautausschlägen, Hautrötungen leichten Schwellungen, über Juckreiz, Brennen und Bläschenbildung an betroffenen Hautpartien bis hin zu Reizungen an Mund und Nasenschleimhaut sowie Asthma ist alles dabei. Auch können begleitend Symptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung durch Reizung der Augen auftreten. In seltenen Fällen führt der Kontakt zu allergischen Schocks.

Es kann also gefährlich werden, muss aber nicht?

Genau. Der Körper reagiert individuell sehr unterschiedlich auf das Gift der Brennhaare, weshalb sich Beschwerden nicht vorhersagen lassen. Ich rate daher, sicherheitshalber sofort einen Arzt aufzusuchen, um den möglichen Verdacht oder den Vorfall zu schildern. Panik ist jedoch nicht angebracht.

Zu welcher Jahreszeit gilt es besonders achtsam zu sein?

Je nach Witterung (es sollte längere Zeit trocken und warm gewesen sein) mit dem beginnenden Sommer (Anfang Mai) kommen die Raupen mit fortschreitendem Wachstum in das kritische L3-Stadium.

Teilweise sind die Raupen in großen Gruppen sehr tief am Stamm anzutreffen. Foto: Daniela Antoni

In dieser Phase entwickeln sie ihre besagten Brennhaare und sind auch um den Baum herum anzutreffen. Die Raupen verlassen den Baum in der Regel in den frühen Morgenstunden zur Vermeidung der Mittagshitze und wandern abends wieder hinauf. Manchmal kommt es zu lokalen Massenvermehrungen. 

Was passiert mit entdeckten Raupen-Nestern?

Das ist unterschiedlich. Es gibt eine prophylaktische Behandlung im Frühjahr mit Bioziden. Diese tötet jedoch auch andere Falterarten und ist im Zuge des Rückgangs der Arten zumindest zu hinterfragen. Manche Kommunen greifen zu dieser Methode, da es die kostengünstigste ist. Sind Nester in sensiblen Bereichen vorhanden, müssen diese mechanisch entfernt werden. Das Mittel der Wahl ist hier das Absaugen, optimaler Weise von Spezialfirmen mit Asbestsaugern und spezieller Schutzkleidung. Aber auch neue Methoden, wie Heißwasser und Fallen werden momentan erprobt. Abzuraten ist von einer eigenen Entfernung durch Abflammen. Dies begünstigt den Flug der Brennhaare und sollte zwingend unterbleiben.

Taucht der Eichenprozessionsspinner eigentlich nur in Eichen auf, wie es der Name vermuten lässt?

Der Eichenprozessionsspinner ist tatsächlich in allen Eichenarten (Stieleiche, Traubeneiche und Roteiche) in Deutschland zu Hause. Das heißt also, überall dort, wo Eichen stehen, ist es möglich, dem Tier zu begegnen – an Waldrändern, Sportplätzen, in Schwimmbädern, Parkanlagen, Parkplätzen und natürlich auf dem Spielplatz. 

Nest vom Eichenprozessionsspinner
Altes Eichenprozessionsspinner-Nest mit aktiven Brennhaaren. Foto: Daniela Antoni

Die Nester sitzen am Stamm und in den oberen Astgabelungen. Dorthin ziehen sich die Raupen im Laufe des Junis nach dem Fraß zur Verpuppung zurück. Diese Nester bleiben jedoch auch nach dem Flug der Falter am Baum zurück und enthalten noch Jahre (!) nach der eigentlichen Besiedlung mit der Raupe die Allergie auslösenden Brennhaare der Larve. Deshalb können alte Eichenprozessionsspinner-Nester durchaus ganzjährig gefährlich sein.  Experten sind sowohl in der Lage alte Nester ganzjährig, als auch frische, noch bewohnte Nester im Juni zu erkennen und gegebenenfalls entfernen, jedoch stets vermerken zu lassen.

Was tun, wenn man selbst ein Eichenprozessionsspinner-Nest entdeckt?

Bitte unbedingt bei der Gemeinde oder Stadt, beim Vermieter oder dem Forstamt melden. Dort kann dann entschieden werden, ob und welche Maßnahmen sinnvoll sind. Nicht selten werden dann Teilbereiche oder gar ganze Spielplätze solange gesperrt, bis die Gefahr vorüber ist. 


Daniela Antoni ist Sachverständige für Bäume und FLL-zertifizierte Baumkontrolleurin aus Stockstadt am Main. Wenn ihr mehr zum Thema erfahren wollt, lest gerne ihren ausführlichen Fachartikel zum Eichenprozessionsspinner auf Ihre Webseite Baumkontrolle im Netz.

 

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