Teil 2: „SO GESEHEN HABEN WIR JETZT SCHON GEWONNEN“

Nicht meckern, sondern klotzen. Nach diesem Motto engagiert sich der Förderverein Spielplätze Bischofsheim e.V. erfolgreich. Was diesen Erfolg ausmacht, hat Detlev Noll, 1. Vorsitzender des Vereins, bereits in Teil 1: „DAS MACHEN WIR JETZT!“ verraten. Weitere Tipps von ihm folgen hier…

Das original feuerrote Spielmobil war der Hingucker beim Stadtteilfest in Bischofsheim im Sommer 2014. Foto: Förderverein Spielplätze Bischofsheim e.V.

Das original feuerrote Spielmobil war der Hingucker beim Stadtteilfest in Bischofsheim im Sommer 2014. Foto: Förderverein Spielplätze Bischofsheim e.V.

 

5. Bekannt werden: 
„Es fällt leichter Gelder zu sammeln, wenn Sie bekannt sind.“

Es ist wichtig Ideen zu entwickeln, wie Sie die Attraktivität und die Bekanntheit Ihres Vereins steigern. Denn es fällt leichter Gelder zu sammeln, wenn Sie bekannt sind. Dafür sind Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Unser Ziel ist es, regelmäßig in der Presse zu sein.

detlev-nollDetlev Noll ist 46 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Söhne (5 und 8 Jahre) und Leiter der technischen Gebäudeinstandhaltung bei der Adam Opel AG. Etwa 150 Stunden pro Jahr engagiert sich Noll als 1. Vorsitzender im Förderverein Spielplätze Bischofsheim e.V. für die Spielplätze in seiner Gemeinde. Über sich selbst sagt er: „Sie brauchen immer einen Esel, der vorneweg läuft. Das ist viel Arbeit, macht aber auch Spaß, vor allem, wenn man sieht, dass es funktioniert.“

Auch mit den Anwohnern des Spielplatzes zu sprechen, ist enorm wichtig. Wir haben deshalb per Hauswurfsendung alle umliegend wohnenden Bürger auf den Spielplatz eingeladen und unser Anliegen den Anwohnern und der Presse kommuniziert.

Manchmal bauchen Sie auch ausgefallene Ideen, um sich die Aufmerksamkeit der Medien zu sichern. So habe ich mal für ein Spielplatzfest das original feuerrote Spielmobil von Opel organisiert, mit dem wir dann auf die Titelseiten der Regionalzeitungen kamen.

logo-foerderverein-spielplaetze-bischofsheim_120Oder wir haben ein Sommerfest kreiert, um in einem Malwettbewerb unser Vereins-Logo zu finden. Kinder konnten ihren Logo-Entwurf in einen vorgegebenen Kreis malen; ein 11-jähriger Junge hat gewonnen. Auch ein professioneller Flyer und eine Website dürfen hierbei nicht fehlen. Generell ist das Ziel all dieser Maßnahmen, Punkte zu sammeln, so dass die Leute sagen: „Wir spenden unser Geld an unseren Ort, bevor wir es in die Ferne geben.“

 

6. Mitglieder bei der Stange halten:
„Am Ende brauchen Sie Leute, die auf dem Platz stehen.“

Entscheidend ist auch, sich um die Mitglieder zu kümmern. Sie müssen die Leute bei der Stange halten und schauen, dass die Mitgliederzahl wächst. Am Ende brauchen Sie Leute, die auf dem Platz stehen und was arbeiten.

Damit das funktioniert, haben wir feste Strukturen aufgebaut. An jedem ersten Dienstag im Monat treffen wir uns um 20 Uhr und besprechen die anstehenden Aufgaben. Dafür nutzen wir übrigens die Räumlichkeiten eines anderen Vereins. So geben wir kein Geld für die Verwaltung aus und alles fließt in die Spielplätze.

Und wir haben die Aufgaben unter den Mitgliedern verteilt. Ein gutes Essen braucht eben mehrere Gewürze. Sie brauchen Leute, die strategisch denken, gut organisieren können, sich mit Finanzen auskennen, die Texte schreiben, die sich vielleicht um die Internet kümmern können und auch grafisch fit sind. Wir haben am Anfang gefragt „Wer bist du und was kannst du? So wurde schnell klar, welche Expertisen haben wir und wer ist wie vernetzt. Netzwerken ist wirklich wichtig.

Das Veranstaltungsteam kümmert sich bei uns um die Organisation der Spielplatzfeste und erfährt viel Unterstützung aus der Bevölkerung. Foto: Förderverein Spielplätze Bischofsheim e.V.

Das Veranstaltungsteam kümmert sich bei uns um die Organisation der Spielplatzfeste und erfährt viel Unterstützung aus der Bevölkerung. Foto: Förderverein Spielplätze Bischofsheim e.V.

Wir sind inzwischen ca. 150 Mitglieder, rund 45 Familien. Der harte Kern besteht aus ca. 10 Familien. Wir haben aber auch Unterstützer, die uns punktuell bei den Aktionen helfen, obwohl sie nicht im Verein sind. Auf alle kommt es an. Auch deshalb arbeiten wir mit Mailverteiler und Doodle, um unsere Arbeitseinsätze zu planen, und wir sind im Internet und auf Facebook zu finden. So erreichen wir möglichst viele Leute.

 

7. Dinge positiv sehen:
„So gesehen haben wir jetzt schon gewonnen.“

Manche Unkenrufe sind zu hören: „Das macht ihr doch nur, solange die Kinder klein sind, später verliert ihr das Interesse und seid wieder draußen.“ Mag sein, dass das so ist. Und ich hab auch nicht vor, bis zu meinem Rentenalter Spielplätze zu sanieren. Aber vielleicht gelingt es uns, etwas aufzubauen, was weiterlebt? Und wenn’s ganz dumm kommt und wir im Herbst wieder auseinander gehen, weil wir uns nicht mehr leiden können, dann haben wir einen Spielplatz gebaut. Und der steht da und wird genutzt. Dann haben wir was gekonnt und gezeigt, es geht wenn man will. So gesehen haben wir jetzt schon gewonnen.

Die Arbeiten auf dem Klinkerspielplatz kommen voran. Die alte Rutsche wurde durch eine neue ersetzt. Im Sommer 2015 wird die Spielplatz-Sanierung abgeschlossen sein. Fotos: Förderverein Spielplätze Bischofsheim e.V.

Die Arbeiten auf dem Klinkerspielplatz kommen voran. Die alte Rutsche wurde durch eine neue ersetzt. Im Sommer 2015 wird die Spielplatz-Sanierung abgeschlossen sein. Fotos: Förderverein Spielplätze Bischofsheim e.V.

Sich sozial zu engagieren ist sehr befriedigend. Man kommt mit vielen interessanten Menschen zusammen, man lernt fürs eigene Leben, kann seine beruflichen Fähigkeiten einbringen, lernt neue Dinge dazu, man kann kreativ sein und gemeinschaftlich etwas erreichen. Und auch unsere Kinder nehmen etwas mit. Nämlich, dass so ein Spielplatz nicht selbstverständlich ist, sondern, dass da viel Schweiß, Arbeit und Geld dahintersteckt. Vielleicht nutzen sie ihn dann später auch umsichtiger?

Kritikern, die sagen: „Spielplätze sind Aufgabe der Gemeinde, wir zahlen dafür Steuern.“ antworte ich: „Bei dem Schuldenberg gibt’s mit Sicherheit kein Geld für Spielplätze. Aber wenn wir uns stark machen, haben wir am Ende da was stehen. Früher gab’s keine Steuergelder. Da musste jeder mit anpacken, damit aus dem Ort was geworden ist. So was sollte man sich auch mal wieder mehr bewusst machen.

Vielen Dank, Detlev Noll, für diese wertvollen Tipps! Wir wünschen Ihnen und Ihrem Förderverein Spielplätze Bischofsheim e.V. weiterhin gutes Gelingen. Das nächste Projekt – der Unger Spielplatz – steht schon in den Startlöchern.

Und jetzt seid ihr dran. Nutzt die Infos, um selbst durchzustarten. Die Spielplätze brauchen euch! Gerne berichten wir davon.

 

Jetzt lesen:
TEIL 1: „DAS MACHEN WIR JETZT!“

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