{"id":5347,"date":"2012-03-14T12:24:56","date_gmt":"2012-03-14T10:24:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.spielplatztreff.de\/?p=5347"},"modified":"2022-05-25T15:24:35","modified_gmt":"2022-05-25T14:24:35","slug":"spielplatze-mussen-nicht-schon-sondern-kreativ-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spielplatztreff.de\/blog\/spielplatze-mussen-nicht-schon-sondern-kreativ-sein\/","title":{"rendered":"&#8220;SPIELPL\u00c4TZE M\u00dcSSEN NICHT SCH\u00d6N, SONDERN KREATIV SEIN&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><br>Anfang M\u00e4rz hat Fanta zusammen mit dem Deutschen Kinderhilfswerk und dem T\u00dcV<\/strong> <strong>Rheinland die Fanta Spielplatz-Initiative ins Leben gerufen. Noch bis Mitte April k\u00f6nnen sich Tr\u00e4ger von Spielpl\u00e4tzen oder Spielplatzinitiativen um Sanierungszusch\u00fcsse bewerben. Das<\/strong><strong> klingt gut, wirft aber auch Fragen auf. Wir haben mit Holger Hofmann, Spielraumexperte vom Deutschen Kinderhilfswerk, gesprochen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herr Hofmann, Fanta ist ein Produkt mit sehr hohem Zuckeranteil. Haben Sie Bauchschmerzen bei dieser Kooperation?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Hofmann: <\/strong>Das <a title=\"Deutsches Kinderhilfswerk\" href=\"https:\/\/www.dkhw.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deutsche Kinderhilfswerk<\/a> pr\u00fcft alle Firmenkooperationen, insbesondere aus der kinderrechtlichen Perspektive. Organisationen wie wir<br>leben von solchen Firmen wie Fanta, die sagen, wir geben unser Geld nicht nur f\u00fcr TV-Spots aus, sondern stecken es in gesellschaftliches Engagement und inhaltliche Kampagnen. Von daher begr\u00fc\u00dfen wir das au\u00dfergew\u00f6hnliche Engagement von Fanta nat\u00fcrlich und hoffen, dass man dieses Engagement zu w\u00fcrdigen wei\u00df, zumal uns kein anderes Engagement in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung f\u00fcr Spielpl\u00e4tze in Deutschland bekannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Eindruck ist, dass Fanta sehr sensibel reagiert. Sie wenden sich nicht an die Kinder, sondern an die Eltern. Sie wollen auch auf den Spielpl\u00e4tzen, die saniert werden, oder auf dem Modellspielplatz nicht dauerhaft pr\u00e4sent sein. Wir werden auch auf dem Modellspielplatz kein Schild aufstellen \u201eDas ist ein Fanta-Spielplatz\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nat\u00fcrlich kann bei solchen Produkten wie Fanta nicht die Message sein, kauft und trinkt soviel ihr k\u00f6nnt. Wichtig ist eine &nbsp;ausgewogene und &nbsp;gesunde Ern\u00e4hrung . Dabei kann Fanta, wie etwa auch der Schoko-Riegel, &nbsp;Bestandteil einer Tagesern\u00e4hrung sein. Es darf nicht das einzige Getr\u00e4nk der Kinder sein. Hier sollen auch die Eltern mitdenken: Fanta ja, aber es gibt auch noch etwas anderes.<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p><strong>Rahmenbedingungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Vom 01. M\u00e4rz bis 10. April 2012 k\u00f6nnen Spielplatz-Tr\u00e4ger und Spielplatz-Initiativen Antr\u00e4ge zur Finanzierungshilfe beim DKHW einreichen.<\/li><li>Vom 15. April bis zum 15. Juli 2012 l\u00e4uft die Verkaufsaktion: Pro verkaufter Fanta-Flasche gehen 25 Cent an die Spielplatz-Initiative \u2013 bis zu einer Gesamtsumme von 100.000 Euro.<\/li><li>Vom 15. April bis 15. Juni 2012 k\u00f6nnen Verbraucher unter www.facebook.com\/fantaspielspass abstimmen, welche 20 Spielplatz-Tr\u00e4ger die finanzielle Zuwendung erhalten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">100.000 Euro f\u00fcr 20 Spielpl\u00e4tze. Lassen sich mit dieser Summe Spielpl\u00e4tze sanieren?<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn ich mir eine gro\u00dfe Kletterburg w\u00fcnsche, schaffe ich das mit 5.000 Euro nat\u00fcrlich nicht. Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum an bestimmten Stellen Verbesserungen herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben festgestellt, dass es oftmals gar nicht an der Ausstattung mit Spielger\u00e4ten mangelt, sondern eher die Gel\u00e4ndegestaltung vernachl\u00e4ssigt wurde, so dass es an M\u00f6glichkeiten zum kreativen freien Spielen fehlt. Spielpl\u00e4tze sind h\u00e4ufig platt und eben und das hat dann sofort den Effekt, dass Kinder die Freifl\u00e4che nicht mehr nutzen, weil sie ihnen keine Bewegungsanreize bietet. Gibt es aber H\u00fcgel, Str\u00e4ucher, Hecken zum Verstecken, dann haben Kinder schon viel mehr M\u00f6glichkeiten zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Steigen dann nicht die Unterhaltungskosten f\u00fcr den Spielplatz?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ja, das erfordert schon einen gewissen Pflegeaufwand. Es m\u00fcssen B\u00fcsche beschnitten werden und Rasenfl\u00e4chen gek\u00fcrzt. Aber man sollte auch die Kirche im Dorf lassen. Es soll ja hier kein Park entstehen. Ein Spielplatz kann auch leben. Eine Rasenfl\u00e4che muss nicht immer akkurat gem\u00e4ht sein. Steine m\u00fcssen nicht immer wieder an Ort und Stelle zur\u00fcckgelegt werden. Und sicherlich besteht auch hier die M\u00f6glichkeit bei kleineren Arbeiten, die Hilfe engagierter Spielplatzpaten oder Elterninitiativen in Anspruch zu nehmen. Zum Beispiel wenn ein Weidentunnel gepflanzt wurde und dieser von Zeit zu Zeit begossen und beschnitten werden muss.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">75.000 Euro stellt Fanta zus\u00e4tzlich zum Sanierungsfonds f\u00fcr einen Modellspielplatz zur Verf\u00fcgung. Was ist das besondere an diesem Spielplatz?<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Deutsche Kinderhilfswerk legt einen eigenst\u00e4ndigen Fokus auf das Thema Spielwert. Deshalb war es uns auch in der Kooperation mit Fanta und dem T\u00dcV wichtig, einen Modellspielplatz mit einem ganzheitlichen Ansatz zu entwickeln, der beispielhaft zeigt, wie ein Spielplatz mit hohem kreativen Spielwert, aber dennoch kosteng\u00fcnstigen Modulen aussehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen zeigen: Ein Spielplatz muss nicht teuer sein, um Kindern vielf\u00e4ltige Bewegungsanreize zu bieten und Raum zur freien und individuellen Gestaltung und zum Experimentieren zu lassen. Denn 75.000 Euro h\u00f6ren sich zwar viel an. Die Summe ist aber eher Mittelma\u00df im Vergleich zu dem, was Kommunen f\u00fcr die komplette Ausstattung eines Spielplatzes ausgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Modellspielplatz entsteht \u00fcbrigens auf einem \u00f6ffentlichen Spielplatz in Bochum, der in einem ziemlich vernachl\u00e4ssigten Zustand war. Nach der Komplettsanierung wird der Spielplatz am 28. Mai 2012 zum Weltspieltag in Bochum feierlich er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnen Sie genauer beschreiben, was Sie unter dem \u201ekreativen Spielwert\u201c verstehen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Da gibt es mehrere Kriterien an denen sich der kreative Spielwert festmachen l\u00e4sst. Ein Kriterium ist zum Beispiel die <em>Raumgliederung<\/em>. Wenn ein Spielplatz durch B\u00e4ume, Str\u00e4ucher, Hecken oder Mauern in unterschiedliche Bereiche gegliedert wird, f\u00fchlen sich die Kinder nicht nur geborgener, sondern ihnen werden auch zus\u00e4tzliche Spielaktivit\u00e4ten erm\u00f6glicht, wie zum Beispiel Versteck spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Kriterium ist die <em>vielf\u00e4ltige Gestaltung<\/em>. Ein Spielplatz sollte vielf\u00e4ltige Erfahrungen, Kreativit\u00e4t und entdeckendes Lernen durch Gestaltungsangebote mit Sand, Wasser, Lehm und Steinen erm\u00f6glichen. Die M\u00f6glichkeit, den Raum zu gestalten und sich anzueignen, sollte neben den \u00fcblichen Spielger\u00e4ten er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein drittes Kriterium ist die <em>landschaftstypische Gestaltung<\/em>. Damit ist gemeint, dass der Spielplatz nicht abschottet von der Natur ringsherum besteht, sondern die Natur bei der Planung mit einbezogen wird. Oft werden zum Beispiel Obstb\u00e4ume von Spielpl\u00e4tzen mit der Begr\u00fcndung entfernt, das sei zu gef\u00e4hrlich, die Kinder klettern drauf oder essen die \u00c4pfel. Dabei ist das eine wichtige Bildungserfahrung, die unbedingt erhalten bleiben sollte. Oder wenn es Bachl\u00e4ufe gibt, sollten die Kinder Zug\u00e4nge zu diesen Bachl\u00e4ufen erhalten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zug\u00e4nge zu Bachl\u00e4ufen?! Da h\u00f6re ich schon die Alarmglocken l\u00e4uten&#8230;<\/h3>\n\n\n\n<p>Da m\u00fcssen wir alle in der Gesellschaft umdenken und unseren Kindern auch zugestehen, dass sie nicht ferngehalten werden von jeglichen Gefahren. Das erfordert dann auch mehr Mut von den Verantwortlichen in den Kommunen, das dann auch durchzusetzen und Eltern zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn es ist ja geradezu absurd: Wir haben auf der einen Seite den Stra\u00dfenverkehr, wo wir den Kindern gro\u00dfe Gefahren zumuten und keiner sagt, jetzt m\u00fcssen wir einen Zaun um die Stra\u00dfe bauen. Aber bei einem Bach sagen wir, das ist zu gef\u00e4hrlich, den k\u00f6nnen wir den Kindern nicht zumuten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Haben Sie ein anderes Verst\u00e4ndnis von Spielpl\u00e4tzen als die meisten Erwachsenen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir haben bei den Kommunen ein Defizit, was ein ganzheitliches Bild von Spielpl\u00e4tzen anbelangt. Viele Erwachsene denken immer noch, dass Spielpl\u00e4tze \u00e4sthetisch und sch\u00f6n anzuschauen sein m\u00fcssen, nat\u00fcrlich nach den Anspr\u00fcchen von Erwachsenen. Und sie vergessen, was eigentlich Sinn und Zweck eines Spielplatzes ist: N\u00e4mlich m\u00f6glichst viele Bewegungsanreize zu bieten und ein Wohlf\u00fchlerlebnis f\u00fcr Kinder zu vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Eltern haben teilweise Ansichten, die dem freien kindlichen Spiel entgegenstehen. Auf Elternseite gibt es gro\u00dfe \u00c4ngste, den Kindern k\u00f6nnte beim Spielen etwas zusto\u00dfen. So werden Kinder an der Hand \u00fcber Kletterger\u00fcste gef\u00fchrt, was genau das Gegenteil von dem ist, was hilft. Kinder k\u00f6nnen sehr gut alleine einsch\u00e4tzen, welche Dinge sie erklettern k\u00f6nnen und welche nicht. Wenn ihnen jedoch geholfen wird, dann ist es eher gef\u00e4hrlich, weil sie sich pl\u00f6tzlich in Situationen wiederfinden, in die sie eigentlich gar nicht hineingeraten w\u00e4ren. Auf der anderen Seite fehlt dann den Kindern die Selbstwirksamkeit, sie erleben zu selten, etwas selbst geschafft und bew\u00e4ltigt zu haben, weil ihnen ja geholfen wurde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kann die Spielplatzinitiative in diesem Sinne auch Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten?<\/h3>\n\n\n\n<p>Uns war von Beginn an wichtig, dass diese Initiative keine einmalige Aktion ist, sondern nachhaltiges Engagement mit sich bringt. Als Deutsches Kinderhilfswerk setzen wir uns schon seit vielen Jahren f\u00fcr Spielpl\u00e4tze ein. Und ich gehe davon aus, dass wir die Initiative auch nach 2012 gemeinsam mit Fanta und dem T\u00dcV Rheinland fortf\u00fchren. Ganz wichtig wird es sein, den Fokus auf die \u00d6ffentlichkeitarbeit zu diesem Thema zu legen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fangen ja gerade erst an. Wie das Programm 2013 genau aussehen wird, werden wir gemeinsam nach den Erfahrungen in diesem Jahr entscheiden. Letztendlich spielen Kinder immer weniger drau\u00dfen. Wir brauchen dingend mehr Aufmerksamkeit. Deshalb freuen wir uns auch \u00fcber das gesellschaftliche Engagement von Fanta.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr dieses aufschlussreiche Gespr\u00e4ch und viel Erfolg mit der Spielplatz-Initiative!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang M\u00e4rz hat Fanta zusammen mit dem Deutschen Kinderhilfswerk und dem T\u00dcV Rheinland die Fanta Spielplatz-Initiative ins Leben gerufen. Noch bis Mitte April k\u00f6nnen sich Tr\u00e4ger von Spielpl\u00e4tzen oder Spielplatzinitiativen um Sanierungszusch\u00fcsse bewerben. Das klingt gut, wirft aber auch Fragen auf. Wir haben mit Holger Hofmann, Spielraumexperte vom Deutschen Kinderhilfswerk, gesprochen. 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