WARUM DIESER SPIELPLATZ BESTNOTEN VERDIENT

Es gibt nicht DEN perfekten Spielplatz! Aber der neu gemachte Spielplatz im Duisburger Kantpark ist nah dran. Seht selbst, warum Kinder und Eltern an diesem Spielplatz noch sehr viel Freude haben werden.

Der dreidimensionale Kletter-Quader ist der Hingucker auf dem Spielplatz. Foto: WB Duisburg

Auf Facebook hatte ich zufällig Bilder vom Ende September 2018 eröffneten Spielplatz im Kantpark gesehen. Der riesige, bunte Kletterquader mit seinen leuchtenden Farben fiel mir sofort ins Auge. Optisch erfrischend anders als das, was man üblicherweise von Spielplätzen so kennt – und, glaubt mir,  ich habe auf Spielplatztreff.de schon eine ganze Menge Spielplätze gesehen!

Neugierig geworden, fuhren wir mit den Kindern an einem Wochenende im Oktober von Köln nach Duisburg, um den Spielplatz mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und was soll ich sagen: Es hat sich voll gelohnt!

 

Maßanfertigung mit Clou: „Ich wollte mal etwas anderes ausprobieren“

Entworfen hat den Hingucker-Spielturm Jorg Kirchner, Spielplatzplaner in Duisburg. Ihn habe ich nach unserem Spielplatz-Besuch kontaktiert und gefragt, wie es dazu kam: „Ich wollte mal etwas Anderes ausprobieren und dachte, etwas Dreidimensionales könnte unter spielerischen Gesichtspunkten für Kinder spannend sein. Außerdem passt das modern Skulpturale gestalterisch gut zum Kantpark, in dem ja überall moderne Skulpturen verteilt stehen. Auch die übrigen Spielgeräte sind daher eckig und kantig gehalten und fügen sich ins Gesamtbild des Parks ein.“

Der Kletterturm ist nicht nur optisch eine Wucht, sondern lässt sich auch prima bespielen, bestätigen mir meine Kinder. Wie durch eine Art Labyrinth lässt sich das Spielgerät auf individuellen Wegen und verschiedenen Ebenen erklettern. Dabei kann zwischen unterschiedlich anspruchsvollen Aufstiegsmöglichkeiten gewählt werden. Über zwei Röhrenrutschen und eine einfache Rutsche, die in verschiedenen Höhen angebracht sind, gelangen sie wieder nach unten. Besonders begeistert sind sie von der obersten Rutsche: „Cool! Die ist richtig schnell!“

Über Kletterwände, steile Holztritte oder Kletterseile geht’s nach oben. Foto: Schilling

Auch ich schaue mir den Quader von innen an. Obwohl ich mich teilweise vorsehen muss, mir nicht den Kopf zu stoßen, weil es hier und da etwas enger wird, bin ich erstaunt, wie hell und freundlich die verschachtelten Räume daherkommen. Etwas gewöhnungsbedürftig finde ich, dass man nach draußen durch relativ enge Metallgitter schaut. Aber die Kinder stört’s nicht und Sicherheit geht natürlich vor. Eltern haben jedenfalls ausreichend Platz, um mit auf Entdeckungsreise zu gehen. Praktisch. So können jüngere Kinder bei ihrer ersten Erkundungsrunde vielleicht noch von ihren Eltern begleitet werden oder Eltern einfach selbst mal wieder Kind sein.

 

Auf dem gesamten Spielgelände heißt es: „Wasser marsch!“

Auch die anderen Spielbereiche überzeugen auf ganzer Linie. Besonders gelungen finden wir den großzügigen Wasserspielbereich, der sich seitlich über das gesamte Spielgelände ausdehnt. Das kühle Nass kommt auf Knopfdruck aus drei verschiedenen Wasserhähnen. Durch gepflasterte Rinnen sind zwei der Wasserquellen miteinander verbunden und so können die Kinder Blätter und Zweige quer über den Spielplatz auf die Reise schicken, Wasser stauen, von A nach B transportieren und matschen was das Zeug hält. Das natürliche Gefälle des hügeligen Parkgeländes wurde dafür optimal genutzt. Wirklich toll gemacht!

Im Vordergrund Wasserhahn Nr. 1 und im Hintergrund (rechte obere Ecke) Wasserhahn Nr. 2, verbunden mit einer gepflasterten Rinne. Foto: Schilling

Unsere Kinder hatten jedenfalls schon bei diesem relativ kurzen Herbstbesuch pure Freude. Es fällt leicht, sich auszumalen, wie viel Spaß die kleinen und großen Spielplatzbesucher erst im Sommer haben werden, wenn die Kinder hier mit nackten Füßen umher tollen… frei, kreativ, ganz in ihr Spiel versunken, alleine oder gemeinsam mit anderen Kindern experimentieren und ihre eigenen Spielideen umsetzen. Langeweile kommt da garantiert nicht auf!

Die Spielmöglichkeiten mit Wasser sind extrem vielfältig. Foto: Schilling

Dem Spiel mit Wasser wurde auf diesem Spielplatz besonders viel Platz eingeräumt. Foto: Schilling

Einer der drei Wasserhähne steht übrigens inmitten der Sandfläche des Kleinkindspielbereiches. Eine ausgezeichnete Idee! Denn so gelingt es den Minis auch im Sommer, wenn der Sand normalerweise staubtrocken ist, ordentlich zu matschen, Burgen zu bauen und Sandkuchen zu backen. Für Kirchner war es übrigens logisch, genau dort den Wasserzugang zu platzieren, erzählt er mir: „Wenn es einen Matschtisch im Sandbereich gibt, muss es doch auch Wasser geben“.

Auf Knopfdruck kommt das Wasser für die Matschepampe. Foto: Schilling

Trotzdem gibt es Leute, die sich beschweren, dass der Abstand zwischen Wasserhahn und Matschtisch zu groß sei. Das stört Kirchner allerdings wenig, im Gegenteil: „Es steckt Absicht dahinter. Denn man muss ja die Kinder auch reizen, für mögliche Herausforderungen selber Lösungen zu finden. Wenn sie Wasser am Matschtisch haben wollen, finden sie schon einen Weg.“ Dieser Mann versteht seine Profession. Deshalb kann er mit Kritik umgehen, zu seinen Entscheidungen stehen und schlüssig argumentieren, warum bestimmte Dinge genauso gestaltet sind und nicht anders. Aus meiner Sicht, eine wesentliche Schlüsselqualifikation, damit qualitativ hochwertige Spielplätze entstehen.

 

Mit großem Sachverstand: „Design muss funktional sein“

Auch dieser Spielturm ist eine
Maßanfertigung. Foto: Schilling

Wie schon anfangs erwähnt, besticht der Kantpark Spielplatz durch sein wirklich tolles Design. Umso interessanter, dass dieses für Kirchner nur nachgeordnet eine Rolle spielt: „Design ist erst gut, wenn es auch funktional ist. Ein Gerät hat als Funktion ‚Spielen‘ und das sollte erstmal im Vordergrund stehen. Die Gestaltung ist in dem Sinne Nebensache.“ Aus meiner Sicht, ein weiterer Grund, warum dieser Spielplatz so attraktiv ist.

Kirchners Lieblingsgerät ist übrigens gar nicht der große Quader, sondern der kleine rote Kletterturm im Kleinkind-Spielbereich, auch eine Einzelanfertigung nach einer Skizze von Kirchner: „Die Gestaltung ist so schlicht und formschön gehalten. Der Turm hält dennoch sehr viele Spielmöglichkeiten für die Kleinsten bereit. Das gefällt mir sehr.“

 

Inklusion: „Es ist für alle wichtig, mitmachen zu können“

Ein weiterer Pluspunkt: Auf dem Spielplatz im Kantpark wurde weitestgehend auf Barrieren verzichtet. Die Spielgeräte sind so ausgestattet, dass sie diverse Möglichkeiten für Kinder mit und ohne Einschränkungen bieten. Der große Kletterquader kann beispielsweise zusätzlich über eine breite Rollstuhlrampe erreicht werden, die Schaukellandschaft wurde mit diversen Schaukeln und Schaukelsitzen ausgestattet, die von Kindern mit und ohne Einschränkungen genutzt werden können. Gleiches gilt für die knallgelbe Wippe. So sollen möglichst viele Menschen in den Genuss der neuen Spieloase kommen.

Die Schaukellandschaft bietet diverse Schaukelmodelle und Sitzvarianten. Foto: Schilling

Quader mit Rampe und Wippe mit verschiedenen Sitzen. Fotos: WB-Duisburg (l.) / Schilling

Ganz so einfach, wie es vielleicht scheint, ist es jedoch nicht, Inklusion auf Spielplätzen umzusetzen. Die Lösungen sind immer Kompromisse, gibt Kirchner preis: „Ich habe selber ehrenamtlich in der Behindertenhilfe gearbeitet, deshalb liegt mir das Thema sehr am Herzen. Insgesamt ist es immer eine Abwägung: Stellt man ein großes Spielgerät auf, beispielsweise eine Rollstuhlschaukel, das ausschließlich für Kinder mit Einschränkungen gedacht ist? Oder gestaltet man einen Spielplatz so, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass auch Menschen mit Einschränkungen (verschiedenster Art) gewisse Bereiche nutzen können. Wir haben uns für Letzteres entschieden. Auch deshalb, weil das Ganze immer im Verhältnis zur investierten Summe stehen muss. Es gibt eben auch sehr viele Kinder, die keine Einschränkung haben und den Spielplatz ebenfalls gerne nutzen möchten. Ich hoffe, wir haben hier eine gute Balance gefunden.“ 

 

Elternwünsche wurden berücksichtigt

Auch die Ideen und Vorschläge der zukünftigen Spielplatz-Nutzer sind teilweise in die Gestaltung mit eingeflossen und tragen mit zur „guten Balance“ bei, erzählt mir Kirchner. So wurde der beliebte Wasserspielbereich des Vorgänger-Spielplatzes auf Wunsch der Eltern noch einmal deutlich erweitert und der Kleinkindspielbereich von einer entfernteren Stelle des Parks mit etwas Abstand an den Hauptspielplatz angedockt. Der Vorteil: Während die jüngsten Spielplatzbesucher buddeln und die ruhige Atmosphäre im Kleinkind-Spielbereich genießen, können Eltern größere Geschwisterkinder besser im Auge behalten. Auch die zahlreichen Sitzgelegenheiten haben sich Eltern explizit gewünscht. Denn natürlich ist die schöne Lage im grünen Park mit den vielen alten Bäumen, die im Sommer angenehmen Schatten spenden, prädestiniert dafür, hier längere Zeit zu verbringen. Da will man’s auch bequem haben.

Ein schönes Detail: Mit der Umgestaltung wurde auch der Bereich „KANTS GARTEN“ teilweise neu angelegt bzw. erweitert. Eine charmante Initiative von Spielplatz-Anwohnern, die sich ehrenamtlich um die Beete mit Salat-, Gemüsepflanzen und Blumen kümmern. Alle Spielplatz-Besucher können mithelfen, den Gartenbereich zu pflegen und sind natürlich auch herzlich zur Ernte eingeladen.

In einem kleinen Garten angrenzend an den Spielplatz kümmern sich Anwohner liebevoll um Gemüse, Salat und Blumen. Foto: Schilling

KANTS GARTEN wurde mit der Neugestaltung erweitert. Alle Besucher sind herzlich eingeladen mitzuhelfen, den Garten zu pflegen. Foto: Schilling

 

Qualität hat ihren Preis: „Teurer als ein Gerät von der Stange“

Zum Schluss reden wir noch über die Kosten. Aktuell ist der Spielplatz im Kantpark einer der teuersten Spielplätze der Stadt Duisburg und der dreidimensionale Kletterturm das teuerste Spielgerät im Eigentum der Wirtschaftsbetriebe Duisburgs. Diese kümmern sich als Eigentümer der 300 städtischen Spielplätze um deren Pflege und Unterhaltung. Ca. 600.000 Euro (!) wurden insgesamt investiert, allein 300.000 Euro hat der Turm gekostet.

Das ist viel Geld. Klar. Doch ich bin da ganz bei Kirchner, der die hohen Ausgaben so begründet: „Natürlich kostet eine Einzelanfertigung mehr als ein Spielgerät von der Stange. Das Draußensein, sich zusammen bewegen und spielen trägt wesentlich zur Entwicklung von Kindern bei. Wir haben deshalb die Verpflichtung Spielplätze zu schaffen und Kindern Herausforderungen zu bieten. Bei einer immer größer und bunter werdenden Auswahl an Spielzeug und (digitalen) Spielen, reicht es nicht mehr ’nur‘ eine 08/15-Spielplatzausstattung anzubieten. Da muss eben auch mal etwas Außergewöhnliches her. Gerade an attraktiven Standorten, wie dem Kantpark, bietet sich das an. Außerdem haben wir im Kantpark bewusst auf hochwertige und langlebige Materialien gesetzt und die Hersteller zu verhältnismäßig hohen Gewährleistungsgarantien bei bestimmten Bauteilen verpflichtet. Das verringert die Kosten in den Folgejahren.“

 

Unser Fazit: Volltreffer!

Toll im Grünen gelegen, wunderbar anzusehen, hochwertig gearbeitet, Wasserspielmöglichkeit sowie attraktive Spielgeräte für Kinder mit und ohne Einschränkungen. Das Gesamtpaket stimmt. Hier wurde wirklich an alles gedacht. Kinder verschiedenen Alters kommen bei einem Besuch dieses Spielplatzes garantiert auf ihre Kosten: Toben, spielen, buddeln, experimentieren, hoch hinaus klettern, Versteckspielen… Und die Eltern? Die sitzen gemütlich auf den Bänken oder im Park, schwatzen mit anderen Eltern, drehen vielleicht die ein oder andere Spielplatz-Runde mit dem Kind und nehmen nach ein paar Stunden entspannte, glückliche Kinder wieder mit nach Hause. Wart ihr schon dort? Dann lasst gerne eine Bewertung da und teilt eure Meinung mit anderen Eltern auf Spielplatztreff.

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