„WER RUMMOTZT, MUSS MIT ANPACKEN“

Gemeinsam mit ihren Mitstreitern will Anja, 33 Jahre, Personalreferentin und seit 2015 Spielplatzpatin, für die Kinder einen sicheren Spielplatz in Gottschdorf bauen. Ihr unbedingter Wille, dieses Ziel auch unter schwierigen Umständen zu erreichen, ist beeindruckend!

Darum bin ich Spielplatzpatin:

„Also war klar, wenn sich was ändern soll, bleibt mir nur die Eigeninitiative.“

Unser Spielplatz in Gottschdorf war sehr in die Jahre gekommen und sah nicht besonders vertrauenserweckend aus. Leider sind wir eine super kleine Gemeinde ohne Geld. Gottschdorf ist eines von fünf Dörfern in Neukirch und hat nur 240 Einwohner. Also war klar, wenn sich was ändern soll, bleibt mir nur die Eigeninitiative.

 

Das treibt mich an:

„Deshalb will ich, dass dort sichere Spielgeräte stehen.“

Ganz klar, meine fast vierjährige Tochter und der unbedingte Wille, dass ich für sie und für die anderen Kinder (aktuell sind es 38 Kinder im spielplatzfähigen Alter in Gottschdorf) ein Plätzchen schaffen möchte, wo sie toben können, Freundschaften schließen oder sich auch mal zurückziehen können. Der Platz ist ja nicht nur Spielplatz, sondern auch Festplatz und Jugendtreff. Wenn Feierlichkeiten sind, spielt sich alles auf diesem Platz ab, weil er in unserem Dorf die einzige Möglichkeit ist, zusammenzukommen. Und deshalb will ich, dass dort sichere Spielgeräte stehen.

 

So viel Zeit investiere ich:

„Da geht manchmal schon ziemlich viel Zeit für das drauf.“

Wir sind ein fester Kreis von acht bis 15 Personen – alles Anwohner, die rund um den Spielplatz wohnen. Mein Partner und ich sind die Hauptinitiatoren, über uns läuft die gesamte Organisation. Wir legen selbst mit Hand an bei den Baumaßnahmen, wie schleifen, hämmern, sägen… Ich kümmere mich auch um die Berichterstattung, auch auf Facebook, die E-Mail-Kommunikation, die Termin-Koordination für unsere Einsätze per WhatsApp usw. Da geht manchmal schon ziemlich viel Zeit für das drauf. Vollzeit arbeiten gehe ich ja auch noch.

Auch deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn ich noch mehr Unterstützer finden würde, die regelmäßig mitmachen und mithelfen, damit es zügig vorangeht.

 

Das hab ich schon erreicht:

„Die Leute geben mehr Geld, seitdem sie sehen, dass sich etwas tut.“

Seit Dezember 2016 haben wir endlich aktiv losgelegt, den alten Spielplatz abgerissen, den neuen Spielplatz angefangen zu bauen.

Einige Pfähle der neuen Klettertürme stehen schon. Foto: Anja

Wir haben im letzten und in diesem Jahr bei der Fanta Spielplatzinitiative mitgemacht und jeweils 1000 Euro Preisgeld für den Spielplatz gewonnen. Aber das Geld reicht natürlich nicht. Deshalb ziehen wir immer mal wieder mit den Kindern von Haustür zu Haustür und sammeln Geld für den Spielplatz. Im Februar haben wir mit 15 Kindern und drei Erwachsenen 700 Euro eingenommen. Die Leute geben wieder mehr Geld, seitdem sie sehen, dass sich endlich etwas tut. Die Spenden verwaltet der Brunnenfestverein Gottschdorf e.V.

 

Das fordert mich heraus:

„Plötzlich Arbeiten zu erledigen, die so nie geplant waren.“

Dass wir als Bürger alles in Eigenregie machen müssen, finde ich herausfordernd. Die aktuelle Bürgermeisterin steht zwar voll hinter uns, wir haben einen guten Draht zu ihr und stoßen nicht nur auf taube Ohren. Aber aktive Unterstützung seitens der Gemeindevertreter gibt es für unser Projekt trotzdem wenig. Sporadisch unterstützt uns die Gemeinde bei den Einsätzen oder Mitarbeiter schneiden die Hecke und mähen den Rasen. Da bleibt schon viel Arbeit an uns Bürgern hängen.

Generell war es auch nicht einfach, plötzlich Arbeiten zu erledigen, die so nie geplant waren. Als wir den Spielplatz abgerissen haben, weil der marode war, stellte sich zum Beispiel heraus, dass wir Dränage legen mussten, um den Boden trocken zu legen. Alles in Eigeninitiative. Das war viel Arbeit.

 

Das hilft mir als Spielplatzpatin:

„Meine Entschlossenheit hilft mir, Unwegsamkeiten zu meistern.“

Wenn ich mir einer Sache hundertprozentig sicher bin, dann klemme ich mich dahinter. Ich stehe voll hinter dem Spielplatz-Projekt. Denn ich persönlich will was bewegen. Und wer was bewegen will, der muss auch mal den Mund aufmachen, vielleicht auch in Situation, die unangenehm sind. Ich finde, wer rummotzt, muss mit anpacken. Mit dieser Meinung stoße ich nicht immer auf Gegenliebe und werde nicht überall mit offenen Armen empfangen, aber meine Entschlossenheit hilft mir, Unwegsamkeiten zu meistern.

Außerdem hilft die Unterstützung, die wir von den umliegenden Forstbetrieben erhalten haben, die uns die Robinienstämme für die Klettertürme geschenkt haben. Ohne die wären wir nicht dort, wo wir heute stehen.

 

Das hab ich noch vor:

„In Zukunft soll unser Spielplatz alle einladen, sich kennen zu lernen.“

Geplant sind insgesamt drei Spieltürme. Das Grundgestell der Türme steht mittlerweile. Es wird eine Rutsche und zwei Schaukeln geben, die Nestschaukel wurde von dem Fanta-Geld angeschafft. Die Bauarbeiten werden von einem TÜV-Experten für Spielplätze begleitet, der uns berät. Den ersten Einsatz hat die Gemeinde bezahlt, den nächsten zahlen nun wir, weil das Geld knapp ist.

Im September soll eigentlich der Spielplatz eingeweiht werden. Mal sehen, ob wir das noch schaffen. Aber immerhin, das mobile Sägewerk, mit dem wir weitere Bretter für die Spielgeräte sägen können, ist bestellt. Und wir sind guter Dinge, dass in naher Zukunft unser Spielplatz alle einladen wird, sich kennen zu lernen, Freundschaften zu schließen und somit die Dorfgemeinschaft zusammenzubringen und zu stärken.


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Steckbrief von Jens Weymann aus Mülheim an der Ruhe, seit über 20 Jahren Spielplatzpate.

 

uwe-grunert-spielplatzpate-in-koeln_100x100„ICH HABE DIESES HELFER-SYNDROM“
Steckbrief von Uwe Grunert aus Köln, seit 12 Jahren Spielplatzpate.

 
 

profilbild-katja-schmidt_100x100„MAN KANN WAS ERREICHEN, WENN MAN SICH REINHÄNGT“
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