Auf den Spielplätzen in Moers können Kinder sicher spielen. Das ist auch ein Verdienst von Michael Behmenburg. Er ist langjähriger Spielplatzprüfer der Stadt und in Sachen Spielplatzsicherheit ein Vollprofi. Bei einem gemeinsamen Spielplatzbesuch zeigt er mir, wie er für Sicherheit auf den Moerser Spielplätzen sorgt. 

Als ich Michael Behmenburg anrufe und ihn bitte, mir den Job eines Spielplatzprüfers zu erklären, hat er gerade die jährlichen Hauptuntersuchungen für alle 177 Moerser Spielplätze geschafft und ist mit den Ergebnisse zufrieden: „Die genaue Auswertung steht zwar noch aus, aber gefunden habe ich nur kleinere Mängel, die zeitnah behoben werden können. Der neuen Spielplatz-Saison steht also nichts mehr im Weg.“ 

Einige Wochen später treffen wir uns auf dem Spielplatz / Freizeitpark am See in Moers-Kapellen. Und Michael Behmenburg zeigt mir, wie so ein Sicherheitscheck bei Spielplätzen abläuft.

Michael Behmenburg und seine Kollegin Katja Nießen, von der ENNI Pressestelle, erreichen den Spielplatz, als ich gerade oben auf der Rutsche bin. Foto: Schilling

Schon nach wenigen Minuten Plaudern über die Spielplatzsicherheit in Moers ist klar: Der Mann weiß, wovon er spricht. Kein Wunder, denn Michael Behmenburg ist erfahrener Spielplatzprüfer und arbeitet als Mitarbeiter der ENNI Stadt & Service seit mehr als 30 Jahren für die Stadt Moers. Als Leiter eines vierköpfigen Teams organisiert er die Sicherheit auf den Spielplätzen vor Ort und weiß worauf es ankommt: „Spielplatzsicherheit ist unser oberstes Gebot. Langfristig setzen wir als wichtigste Maßnahme auf Prävention.“ Alle zwei Jahre werden die Mitarbeiter geschult, um in Sicherheitsfragen stets auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Seinen Job macht Michael Behmenburg sehr gerne. Er mag die Abwechslung, wie er mir erzählt: „Ich prüfe nicht nur Spielplätze, sondern kümmere mich auch um die Ersatzteilbeschaffungen. Außerdem ist meine Meinung gefragt, wenn es in Gesprächen mit dem Jugendamt und dem Grünflächenamt darum geht, wie das Spielangebot in Moers verbessert werden kann.“ In Moers ziehen alle an einem Strang, so mein Eindruck. Und deshalb gelingt es, trotz knapper Kassen ein sicheres und attraktives Angebot für die Kinder zu schaffen.


Die schönsten Spielplätze in Moers und in ganz Deutschland findet ihr auf Spielplatztreff.


Diese Spielplatzkontrollen stehen jetzt an:

Sicherheitscheck 1: Den Gesamteindruck überprüfen

Sicherheitscheck 2: Haben die Kletternetze noch die richtigen Maße?

Sicherheitscheck 3: Gibt es irgendwo Kordel-Fangstellen?

Sicherheitscheck 4: Wo gibt es eventuell Finger-Fangstellen?

Sicherheitscheck 5: Wie steht es um den Fallschutz auf Fundamenten?

Sicherheitscheck 6: In welchem Zustand sind die Holzpfosten?

Sicherheitscheck 7: Gibt es Biss-Spuren an Schaukelsitzen?


Sicherheitscheck 1: Den Gesamteindruck überprüfen

Überraschenderweise beginnt der Spielplatz-Prüfer seinen Rundgang ähnlich wie wir das als Eltern tun würden. Er schaut sich zunächst einmal auf dem Spielplatz um, denn auch der Gesamteindruck zählt, um die Sicherheit eines Spielplatzes zu bewerten. Wie sieht es vor Ort aus? Liegen Glasscherben oder Müll herum? Gibt es sichtbare Spielspuren oder wächst schon Gras im Buddelsand? Sind die Bänke in einwandfreiem Zustand, sind alle Mülleimer vorhanden?

Jedes Detail hält Michael Behmenburg in seiner Excel-Liste fest. Foto: Behmenburg

Während wir Laien bestimmt die ein oder andere Sachen übersehen würden, hält Michael Behmenburg seine Einschätzung detailliert in einer Excel-Liste fest. Für jeden Spielplätz gibt es eine solche Datei. Darin sind neben dem Feld für „Gesamteindruck“ alle Geräte des Spielplatzes aufgelistet, so dass der Spielplatzprüfer Gerät für Gerät systematisch festhalten kann, was ihm auffällt… wurde Material weggespielt, sieht man Abnutzungserscheinungen oder Beschädigungen usw..

Prüfkoffer mit Prüfkörpern. Foto: Brehmenburg

Sicherheit hat viel mit den richtigen Abständen zu tun. Für alles gibt es bestimmte Maße und bei den Untersuchungen an den Spielgeräten überprüft Michael Behmenburg, ob diese Maße eingehalten werden. Dabei geht er allerdings nicht mit Lineal und Maßband über den Platz, sondern benutzt diverse Hilfsmittel, so genannte Prüfkörper, die er in seinem großen Prüfkoffer mit dabei hat. Diese Prüfkörper sind entsprechend der europäischen Spielplatznorm genormt. Alle Spielplatzprüfer arbeiten mit diesen Prüfkörpern.

Sicherheitscheck 2: Haben die Kletternetze noch die richtigen Maße?

Kletternetze sind beliebt, können aber auch brandgefährlich werden, wenn Kinder mit dem Kopf in Maschen hängenbleiben. Damit das nicht geschieht, werden immer wieder die Netz-Maße überprüft. Michael Behmenburg hat durch seine langjährige Erfahrung einen geschulten Blick und erkennt Abweichungen von der Norm schon mit bloßem Auge. Wenn ihm etwas auffällt, holt er die dafür vorgesehenen Prüfkörper aus seinem Koffer und steckt diese in die Lücken.

Michael Behmenburg steckt den Kopf-Prüfkörper in das Kletternetz. Er passt durch. Alles sicher! Foto: Schilling

Der größere Prüfkörper simuliert einen durchschnittlichen Kinderkopf von 230 mm, der kleinere den Kinderkörper von 89 mm. „Die Regel besagt: Wo der Kinderkörper durchpasst, muss der Kopf auch durchpassen. Denn der Kinderkörper kann sich klein machen, der Kopf nicht.“, erklärt mir Michael Behmenburg seine Prüfmethode.

Deshalb unbedingt: Helm ab! Bevor eure Kinder an die Spielgeräte gehen. Durch den Helm vergrößert sich nämlich der Kopfumfang und die Gefahr des Hängenbleibens ist enorm.

Sicherheitscheck 3: Gibt es irgendwo Kordel-Fangstellen?

Auch Jacken mit Kordeln können auf dem Spielplatz ziemlich gefährlich werden. Nämlich dann, wenn sich diese Kordeln in Spielgeräten verfangen und Kinder daran hängenbleiben. Deshalb sucht der Spielplatzprüfer bei seinem Sicherheitscheck nach Lücken bzw. Spalten, in denen sich Kordeln verfangen können. Für diesen Test kommt die so genannte Prüfkordel zum Einsatz – ein Knopf von 25 mm Durchmesser, daran befestigt ist eine Kette – die Michael Behmenburg überall dort reinsteckt, wo eine Kordel auf keinen Fall hängenbleiben darf.

Oben auf der Rutsche prüft Michael Behmenburg mit der Prüfkordel, ob diese hängen bleibt. Das passiert nicht. Alles sicher! Foto: Schilling

Solche Kordel-Fangstellen-Tests werden übrigens an Spielgeräten durchgeführt, an denen Kinder zwangsgeführte Bewegungen ausführen, erklärt mir Michael Behmenburg. Zwangsgeführt heißt, so Behmenburg, „ein Kind sitzt auf einem Gerät und lässt sich mit seinem eigenen Körpergewicht fallen.“ Zum Beispiel oben auf einer Rutsche oder an Feuerwehrstangen oder Kletterwänden, von denen Kinder springen bzw. fallen können.

Sicherheitscheck 4: Wo gibt es eventuell Finger-Fangstellen?

Als nächstes zeigt mir Michael Behmenburg einen so genannten Finger-Prüfkörper mit dem Spielgeräte auf Finger-Fangstellen überprüft werden. Dieser 8 mm starke Metallstift simuliert die Größe eines durchschnittlichen Kinderfingers von U-3 Kindern. Er ist z. B. für die Überprüfung von Kettengliedern gedacht, die nur so groß sein dürfen, dass keine Finger durchgeschoben werden können. Die Gefahr wäre sonst zu groß, dass Finger in Kettengliedern hängen bleiben.

Die Finger-Prüfkörper gibt es in zwei verschiedenen Größen. Diese sollten nicht durch die Kettenglieder gesteckt werden können. Alles sicher! Foto: Schilling

Kettenglieder sind zwar entsprechend genormt und werden schon so hergestellt, dass keine Finger durchpassen. Aber wenn z. B. Kettenteile bei Reparaturen ausgetauscht werden müssen, werden oft zwei Kettenglieder mit so genannten Schekeln verbunden. Mit Hilfe des Finger-Prüfkörpers, kontrolliert Michael Behmenburg, ob die Abstände auch nach einer solchen Reparatur noch normgerecht sind.

Sicherheitscheck 5: Wie steht es um den Fallschutz auf Fundamenten?

Damit Spielgeräte sicher und fest stehen, sind diese in Betonfundamente gegossen. Lt. europäischer Spielplatznorm sollte mindestens 20 cm Sandabdeckung auf diesen Betonfundamenten liegen, um die Verletzungsgefahr für Kinder auszuschließen. Jeder kann sich vorstellen: Ob ein Kind z. B. am Ende einer Rutsche auf weichem Sand landet oder auf hartem Beton ist ein großer Unterschied.

Die Markierungen (siehe Pfeile) zeigen an, wie viel Sand über einem Fundament liegt. Bei unserem Test sind es 30 cm. Alles sicher! Foto: Schilling

Beim Fallschutz-Test nutzt Michael Behmenburg eine Metallstange. Diese steckt er so tief in den Sand, bis er im Boden auf Beton stößt. Anhand der Markierungen an dem Stab (alle 10 cm), kann er ablesen, ob noch genügend Sand oder anderes Fallschutz-Material auf dem Betonfundament liegt.

Sicherheitscheck 6: In welchem Zustand sind die Holzpfosten?

Mit dabei bei der Hauptuntersuchung ist immer auch ein Spaten. Mit diesem legt Michael Behmenburg die einzelnen Holzpfosten an den Spielgeräten frei. Bei diesem Test geht es darum, zu checken, ob die Geräte noch sicher auf ihren Pfosten stehen.

Der Holzpfosten am Reck wird freigelegt und mit dem Hammer abgeklopft. Keine Hohlgeräusche. Alles sicher! Foto: Schilling

Dafür buddelt der Sicherheitsfachmann gar nicht so tief, denn „tief im Boden, wo es immer feucht ist, passiert kaum etwas, weil durch die Sandabdeckung kein Sauerstoff hinkommt.“, erzählt mir der Sicherheitsprofi. Gefährlich hingegen ist die Stelle im Übergang zwischen trockener Luft und feuchtem Boden. „Auf dieser Höhe klopfe ich das Holz ab. Wenn es innen hohl klingt, dann deutet das auf eine faule Stelle hin.“

Um möglichst langfristig für Sicherheit zu sorgen, kommt es auch auf die Materialwahl an, betont Behmenburg: „In Moers werden fast ausschließlich Robinienhölzer in Spielgeräten verbaut. Die Robinie ist robust, trocknet schnell ab und fasert nicht so schnell, damit ist die Splittergefahr kleiner als bei anderen Holzarten.“ Außerdem stehen, wenn möglich, die Holzpfosten in Moers auf Metallfüßen und sind dadurch weniger anfällig für Fäulnis.

Sicherheitscheck 7: Gibt es Biss-Spuren an Schaukelsitzen?

„Was mich richtig ärgert, sind Hundebesitzer, die ihre Tiere auf Schaukelsitze jagen.“, sagt Michael Behmenburg, als wir vor einer Schaukel stehen und die Sitze überprüfen. „Wenn Schaukelsitze ausgetauscht werden müssen, kostet das richtig Geld, weil die Sitze innen mit Stahlkern versehen und dadurch recht teuer sind.“, so Behmenburg weiter.

So sehen zerbissene Schaukelsitze aus. Foto: Behmenburg

Tatsächlich müssen auf bestimmten Spielplätzen immer mal wieder Schaukel- oder Seilbahnsitze ersetzt werden, weil Hunde die Hartgummi-Umrandung der Sitze kaputt beißen und dadurch die Dämpfungseigenschaften zerstören. Der Hartgummimantel soll nämlich eigentlich das Kind schützen, wenn es die Schaukel an den Kopf bekommt. Die Schaukelsitze auf diesem Spielplatz sind alle in einwandfreiem Zustand.

Damit sind die wichtigsten Tests gemacht. Von mir kriegt der Spielplatz / Freizeitpark am See eine glatte eins und 5 Entchen in meiner Spielplatz-Bewertung. Michael Behmenburg sieht das ähnlich: Auf diesem Spielplatz ist alles in Ordnung!


So häufig finden Spielplatzkontrollen in Moers statt:

Die von der europäischen Spielplatznorm vorgeschriebenen Sicht- und Funktionskontrollen finden auf allen Moerser Spielplätzen wöchentlich bis 2-wöchentlich statt. Immer zwei Mitarbeiter fahren im Team in festen Touren die Spielplätze ab, nach ein paar Wochen werden die Touren getauscht – gegen die Betriebsblindheit. Von den Oster- bis zu den Herbstferien werden sogar auf 10 stark frequentierten Spielplätzen zusätzlich Wochenendkontrollen durchgeführt. Michael Behmenburg selbst führt die jährlichen Hauptkontrollen und die vierteljährlichen Funktionskontrollen in den Kindergärten durch. Alle Mitarbeiter tragen gut erkennbare Westen mit der Aufschrift „Spielplatz-Kontrolle“. So sehen Eltern, dass sich die ENNI um die Spielplätze kümmert, das kommt gut an.


Vielen Dank, Michael Behmenburg, für diesen aufschlussreichen Rundgang. Solche Test sollten übrigens auch regelmäßig auf euren Spielplätzen stattfinden. Gerne fragt direkt bei den Verantwortlichen eurer Stadt oder Gemeinde nach.


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