KUNSTWERK ODER KLETTERGERÄT?

Ich habe kürzlich im Blog vom Meorenuma Park in Japan geschwärmt – ein Park voller interessanter Skulpturen zum Beklettern und Bespielen. Eine Leserin kannte eine ähnliche Spielskulptur, die bereits seit über 30 Jahren am Ufer des Wolfsburger Schillerteichs steht. Das wollte ich genauer wissen…

 

Sanierte Spielskulptur am Schillerteich in Wolfsburg nach Wiedereröffnung 2010. Die ursprüngliche Farbgebung aus den 70er Jahren wurde wieder aufgegriffen.

Diese außergewöhnliche Spielskulptur steht seit 30 Jahren am Schillerteich in Wolfsburg. Foto: Stadt Wolfsburg

Wer sie zum ersten Mal sieht, wundert sich vielleicht. Das Ding sieht aus „wie von einer Filmproduktion Mitte der siebziger Jahre stehen gelassen; viel zu entworfen jedenfalls, um als gewöhnliches Spielplatzgerät durchzugehen.“ schreibt Ulrich Brinkmann in der Bauwelt (Heft 17-18.2013) über die Spielskulptur.

Diese Skulptur will seit 30 Jahren erklettert werden. Foto: Günter Poley

Diese Skulptur wird seit gut 30 Jahren mit viel Freude erklettert. Foto: Günter Poley

Kein Wunder, denn diese Spielplastik ist kein normales Klettergerät. Sie ist ein Kunstwerkt und wurde 1972 im Rahmen der Ausstellung „Kunst im Stadtbild“ von dem Künstler Jochen Kramer (1935-1988) entworfen und als einzige der damals entworfenen Plastiken tatsächlich realisiert.

 

Kunst, Spiel und Sicherheit

Jochen Kramer war ein Künstler, der seine Kunst zum Anfassen, Mitmachen und Erleben kreierte. Und so vereint diese Plastik gleichzeitig Kunst und Spiel. Große Betonkörper in verschiedenen Höhen und Ebenen, kombiniert mit filigranen Stahlkonstruktionen unterschiedlichster Form, in Rot- und Gelbtönen gestrichen, machen den optischen Reiz dieser Spielplastik aus.

So hat die Spielskulptur ursprünglich (1981) ausgesehen. Foto: Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Stadt Wolfsburg

So hat die Spielskulptur ursprünglich (1981) ausgesehen. Foto: Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Stadt Wolfsburg

Spielskulptur am Tag der Einweihung 1979. Foto: Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Stadt Wolfsburg

Spielskulptur am Tag der Einweihung 1979. Foto: Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Stadt Wolfsburg

Doch gerade die Vermischung aus Kunst und Spiel brachte auch Schwierigkeiten mit sich. Denn als die Skulptur 1979 aufgestellt wurde, entsprach sie nicht den damaligen Sicherheitsbestimmungen für Spielgeräte, wie Brinkmann in der Bauwelt dazu schreibt. Mehr Sand als Fallschutz unter der Plastik und einige bauliche Anpassungen später 1981 – zwei Jahre, nachdem die Skulptur aufgestellt worden war – galt diese auch offiziell als sicher.

 

Sanierung rettet außergewöhnlichen Spielraum

25 Jahre später war der Beton dann mürbe geworden und der Rost hatte den Stahl angefressen, so dass das bespielbare Kunstwerk gesperrt werden musste. Der Abriss drohte! Jedoch konnte die Spielplastik 2010 nach einer umfassenden Sanierung doch wiedereröffnet werden.

Sanierte Spielskulptur am Schillerteich in Wolfsburg nach Wiedereröffnung 2010. Die ursprüngliche Farbgebung aus den 70er Jahren wurde wieder aufgegriffen. Foto: Stadt Wolfsburg

Sanierte Spielskulptur am Schillerteich in Wolfsburg nach Wiedereröffnung 2010. Die ursprüngliche Farbgebung aus den 70er Jahren wurde wieder aufgegriffen. Foto: Stadt Wolfsburg

Im Zuge dessen wurde die Skulptur baulich so verändert, dass sie den heutigen Anforderungen an Spielgeräte entspricht. So ist nun die oberste Ebene nicht mehr zugänglich, weil diese über der erlaubten Fallhöhe liegt. Auch die drei Rutschen wurden durch neue ersetzt. „Die Spielplastik ist als Kunst im Stadtbild anzusehen und wird von den Wolfsburger Kindern und Jugendlichen seit Jahren schon sehr gut angenommen – daher haben wir uns entschlossen, diese nach neusten Bestimmungen zu sanieren und somit zu erhalten.“, so Birte Neitzel vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt Wolfsburg.

Die alten Rutschen wurden durch neue ersetzt. Foto: Stadt Wolfsburg

Die alten Rutschen wurden 2010 durch neue ersetzt. Foto: Stadt Wolfsburg

 

Noch mehr Spielräume mit Pfiff in Wolfsburg

Wir finden es toll, dass die Stadt Wolfsburg sich für die Sanierung entschieden hat. Damit wird nicht nur ein zeitgeschichtlich interessantes Kunstwerk erhalten, sondern vor allem für die Kinder und Jugendlichen der Stadt ein außergewöhnlicher Spielraum bewahrt.

Dass es tolle Spielplätze in Wolfsburg auch noch an anderen Orten gibt, zeigen diese drei Beispiele.

Originelle Kletteranlage auf dem Spielplatz Bodenlos im Allerpark in Wolfsburg. Foto: Stadt Wolfsburg

Originelle Kletteranlage auf dem Spielplatz Bodenlos im Allerpark in Wolfsburg. Foto: Stadt Wolfsburg

Lianen-Schaukel auf dem Piratenspielplatz im Schlosspark in Wolfsburg. Foto: Stadt Wolfsburg

Lianen-Schaukel auf dem Piratenspielplatz im Schlosspark in Wolfsburg. Foto: Stadt Wolfsburg

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Außergewöhnlich gestaltetes Spielgerät mit diversen Rutsch- und Klettermöglichkeiten. Foto: Stadt Wolfsburg

 

Über mehr individuelle Spielorte, die zum Klettern, Balancieren, Toben einladen, und Schwung in die sonst oft abwechslungsarme Spielplatz-Landschaft bringen, würden sich sicherlich alle freuen. Falls ihr einen solchen Spielort kennt, tragt den gerne auf Spielplatztreff ein.

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