SPIELKIND SCHLÄGT BRÜCKEN

Seit August 2010 läuft die Initiative spielKind –  deren Ziel ist es, Spielplätze durch Sponsoring zu finanzieren – und das mit großem Erfolg. Wir hatten vor kurzem im Blog darüber berichtet und wollten es nun noch genauer wissen.

Volker Eickhoff, Geschäftsentwickler, Westfalia Spielgeräte GmbH

Deshalb freuen wir uns, dass Volker Eickhoff, Geschäftsentwickler bei der Westfalia Spielgeräte GmbH und verantwortlich für die Initiative spielKind, Zeit gefunden hat, unsere Fragen zu beantworten.

Herr Eickhoff, warum hat Ihr Unternehmen die Initiative spielKind gegründet?

Eickhoff: Da kamen eigentlich zwei Dinge zusammen… Einerseits sind wir als Hersteller für Spielgeräte jeden Tag bundesweit unterwegs und kriegen die Finanznot in Kindergärten, Schulen, Kommunen etc. mit, die uns seit ein, zwei Jahren ganz extrem entgegen schlägt. Es sind keine Gelder da, Reparaturen durchzuführen, geschweige denn neue Spielgeräte anzuschaffen. Und somit sind immer mehr Spielplätze verweist bzw. werden gesperrt.

Verwaister Spielplatz

Andererseits haben wir durch Gespräche und Diskussionen in Unternehmerkreisen festgestellt, dass das Thema soziales Engagement zwar eine große Rolle spielt, sich viele engagieren möchten, aber nicht genau wissen wie und wo.

Und daraus ist dann die Idee spielKind geboren… Wir dachten, warum nicht eine Brücke schlagen zwischen Einrichtungen, die Bedarf an Spielgeräten haben, diese aber nicht selbst finanzieren können, zu den Unternehmen, die sich gerne engagieren wollen, aber kein vernünftiges Projekt finden, mit dem sie sich identifizieren können?

Also, würden Sie sagen, spielKind bietet für alle Beteiligten eine klassische Win-Win-Situation?

Eickhoff: Auf jeden Fall. Denn die Initiative spielKind ist so aufgebaut, dass jeder, der in den Kreislauf eintaucht, davon profitiert. Wir stellen den Einrichtungen eine Plattform zur Verfügung, um ihr Projekt best möglich darstellen und abwickeln zu können. Außerdem bekommen die Projektteilnehmer von uns einen „Werkzeugkasten“ an die Hand – eine Daten-CD mit Anschreiben, Pressemitteilungen, Urkunden, Sponsorenpräsentation, viele Dokumente, die helfen sollen, sich best möglichst bei den Sponsoren vorzustellen.

Die Sponsoren erhalten eine Gegenleistung, die die Initiative spielKind in Form massiver Medienpräsens bietet. Zum einen natürlich über unsere Internetplattform, auf der 1:1 die Sponsoren mit der dazugehörigen Spendenhöhe auf dem Spendenbarometer zu sehen sind. Es geht übrigens kein Geld für Verwaltungskosten oder ähnliches verloren. Diese Transparenz ist uns sehr wichtig. Außerdem nutzen wir die gängigen Medienwege – die lokale Presse, soziale Netzwerke, wie XING, Facebook, Twitter, wir arbeiten mit einer PR-Agentur zusammen und positionieren Pressetexte im Internet – um sehr breit gefächert und gezielt für Unternehmen zu werben, die uns unterstützen. Je höher die Spende, umso größer ist das Medienpaket.

Aber neben den Unternehmen die wir als Sponsoren gewinnen möchten, können natürlich auch alle Privatpersonen helfen. Jeder EURO hilft dabei, dass viele Kinder in den Genuss eines neuen Spielplatzgerätes kommen. Ob per SMS-Spende, der Kauf unserer neuen Initiative-spielKind-Schokolade oder einfach eine direkte Spende über unsere Webseite.

Naschen UND helfen - mit der Initiative spielKind-Schokolade

Was antworten Sie Kritikern, die Ihnen vorwerfen, mit der Initiative spielKind hauptsächlich Ihren Umsatz erhöhen zu wollen?

Eickhoff: Diese Kritik ist tatsächlich vereinzelt gekommen. Und natürlich wollen wir mit spielKind auch Umsatz machen. Denn letztendlich sind wir ein Wirtschaftsunternehmen und können nur funktionieren, wenn wir auch Geld einnehmen. Und dafür investieren wir auch erstmal eine ganze Menge Geld, um so etwas auf die Beine zu stellen und gehen damit auch ein Risiko ein.

Prinzipiell finde ich es aber interessant, dass man sich in Deutschland überhaupt dafür rechtfertigen muss, wenn man als Unternehmen etwas Gutes tut. Egal, was Sie tun, Sie werden immer Leute finden, denen es gefällt und denen es nicht gefällt. Das Schöne ist aber, die Masse an positiver Rückmeldungen, zum Beispiel in den sozialen Netzwerken, haben die Nörgler sehr schnell verstummen lassen.

Wir verdienen gutes Geld, weil wir gute Leistungen bieten. Jetzt kommt spielKind hinzu und über diesen Weg ermöglichen wir es überhaupt erst vielen Einrichtungen an  Spielgeräte zu kommen, an die sie sonst nicht kommen würden. Mit unserem Engagement übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung und geben etwas zurück.

Kann sich jede Einrichtung, jede Kommune bei spielKind bewerben?

Eickhoff: Prinzipiell ja. Es müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Die Einrichtung muss mindestens 10 Prozent Eigenkapital mit einbringen und sie muss berechtigt sein, Spendenquittungen auszustellen. Dann steht einer Bewerbung nichts mehr im Wege.

Allerdings muss ich dazu sagen, wir haben nicht erwartet, dass die Idee so gut angenommen wird. Das ist schön und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Im Moment liegen uns jedoch bereits Bewerbungen in dreistelliger Höhe vor. Da uns eine qualitativ hochwertige Betreuung sehr wichtig ist, kommen neue Projekte erstmal auf die Warteliste. Wann diese Projekte nachrücken, lässt sich schwer einschätzen… Das Thema Sponsoring kann man nicht so hundertprozentig fassen. Manchmal kann es schnell gehen, aber es kann sich auch länger hinziehen. Wir wollen uns jetzt langsam vortasten und schauen, dass wir die Projekte mit den Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, vernünftig betreuen und umsetzen können.

KITA Schloss Neuhaus: Ein bereits realisiertes Projekt

Bei spielKind setzen Sie auf Nachhaltigkeit und verwenden nur Spielgeräte aus Recycling-Kunststoff …

Eickhoff: Genau. Spielgeräte aus Recycling-Kunstoff schonen nicht nur die Umwelt, sie überzeugen auch durch viele positive Eigenschaften. Sie sind farbenfroh und kindgerecht  und bieten einen hohen Spielwert. Das Material ist absolut unbedenklich für Mensch und Tier, farbecht, splitterfrei, UV beständig und bringt die entsprechende Festigkeit mit. Recycling-Kunststoff ist zudem nicht brennbar und Graffiti lässt sich mit Waschbenzin entfernen – in Gegenden mit hoher Vandalismusproblematik nicht unerheblich.

Auch deshalb liegt unser Fokus generell nicht mehr auf Holz, auch wenn wir das nach wie vor anbieten. 80 Prozent unserer verkauften Spielgeräte besteht mittlerweile aus Recycling-Kunststoff.

Nach mehrjähriger Entwicklungsphase mit einem deutschen Hersteller für Recycling-Kunstoff (fertigt Parkbänke, Blumenkübel, Papierkörbe etc.) und vielen Tests haben wir ein Material an die Hand bekommen, das man problemlos für Spielplatzgeräte nutzen kann und das gegenüber Holz unschlagbare Vorteile bietet.

Das heißt, Sie haben bewusst nach Alternativen zu Holz gesucht?

Eickhoff: Ja. Die Westfalia Spielgeräte GmbH ist zwar ursprünglich aus einer Tischlerei entstanden. Aber wenn Sie mit Holz arbeiten, herrscht ein immenser Preisdruck. Sie haben jede Menge Mitbewerber, die versuchen, den Preis zu unterbieten. Sie können jedoch nicht auf dem Markt bestehen, wenn Sie immer unter Preis verkaufen. Die Frage war also, wie kann man raus aus dem Preiskampf?

Hinzu kommt ein zweiter wichtiger Punkt. Je länger man mit dem Werkstoff Holz für den Außenbereich arbeitet, merkt man, dass dieses Material, so schön es auch ist, viele negative Eigenschaften mitbringt. Holz arbeitet, es dehnt sich aus, es zieht sich zusammen, Schraubverbindungen lösen sich, es ist nicht sehr lange haltbar und Sie haben ein hohes Maß an Wartungskosten.

Spielgeräte aus Holz verursachen hohe Wartungskosten

Vor Jahrzehnten waren die Kassen voll, da spielte es keine Rolle. In Zeiten immer knapper werdender Kassen, immer höherer finanzieller Notsituationen, versucht man Geld zu sparen. Möglichst geringe Folgekosten werden zunehmend wichtiger.

Unser Prinzip war dann zu sagen, wir möchten ein sehr gutes Produkt anbieten, mit super Eigenschaften, was vielleicht in der Anschaffung ein bisschen teurer ist als Holz, was aber langfristig gesehen massiv Gelder einspart, weil man diese immensen Wartungskosten nicht mehr hat. Und zusätzlich überzeugt das Produkt in puncto Nachhaltigkeit, weil es umweltschonend ist.

Und die letzte Frage: Was ist ein guter Spielplatz für Sie?

Eickhoff: Auf den Punkt gebracht: Sicher, altersgerecht, hoher Spielwert, Förderung der Motorik, robust und möglicht lange haltbar.

Ein guter Spielplatz ist, aus meiner Sicht, ein Spielplatz, auf dem Kinder einen großen Spielwert vorfinden. Ich will das an einem Beispiel deutlich machen: Sie haben einen Kletterturm, wo die Kinder an zwei Seiten hochklettern können. Der Rest ist zu und oben gibt’s eine Aussichtsplattform. Das war’s. Jetzt können Sie den Kletterturm aber auch anders gestalten: Eine normale Leiter, die hochgeht, eine Rampe, vielleicht noch ein Seilaufgang, ein Netz, wo sich die Kinder entlang hangeln können. Ein Gerät, über das die Motorik in unterschiedlichster Form gefordert wird, wo unterschiedlichste Schwierigkeitsgerade mit dabei sind und an dem sowohl kleine als auch große Kinder spielen können.

Vielseitige Kletter- und Spielkombination

Ein guter Spielplatz ist, meiner Meinung nach, auch ein Spielplatz, wo sich auf das Wesentliche konzentriert wird. Das was früher für Kinder wichtig war, trifft heute auch noch zu. Das heißt, Kinder wollen schaukeln, sie wollen rutschen, klettern und vielleicht noch ein bisschen mit Wasser spielen. Es gibt heute so viele Dinge, die mit verbaut werden – Klettertürme mit Uhren, Rechenschiebern, Lenkrädern. Alles wunderbar anzusehen und toll solange die Funktionalität gegeben ist. Das sind jedoch i.d.R. genau die Dinge, die auch am schnellsten wieder kaputt gehen und ersetzt werden müssen.

Häufig habe ich das Gefühl, dass die Entscheider leider nicht wirklich die Belange der Kinder mit einbeziehen. Die sagen, das gefällt mir, das will ich haben.  Und denken nicht darüber nach, was die Kinder wollen und tatsächlich benötigen, für die der Spielplatz gedacht ist. Für meine Generation war während der Kindheit kein Baum zu hoch, keine Pfütze zu tief, und jeder Hügel wurde zur Rutsche umfunktioniert. Heute werden leider zu viele Kinder zu sehr behütet, man traut ihnen viel zu wenig zu. Ich denke, Kinder wollen ihre Urtriebe – klettern, rutschen, schaukeln – ausleben. Ich wünsche mir mehr Spielplätze wo sie das können und das idealerweise mit Geräten die sicher und langlebig sind.

Vielen Dank für das interessante Interview und weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Initiative spielKind.

Dieser Beitrag wurde unter Nachgefragt abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf SPIELKIND SCHLÄGT BRÜCKEN

  1. Bettina sagt:

    Pressemitteilung, Hövelhof, 3. März 2011
    Volker Eickhoff übergibt Projektarbeit für Initiative »spielKind« an Westfalia Spielgeräte

    Nach erfolgreicher Einführung des Projektes Initiative »spielKind« widmet sich Volker Eickhoff, bislang Hauptverantwortlicher der Initiative, ab sofort neuen Aufgaben. Er übergibt Tätigkeitsbereich und Verantwortung zur Weiterführung der Aktivitäten der Initiative an die Geschäftsführung der Westfalia Spielgeräte GmbH und verlässt das Unternehmen zum März 2011.

    Die vollständige Pressemitteilung unter:
    http://www.newsmax.de/mehr-spielplatz-fuer-spielkinder-news82798.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.