ES IST TOLL, BEREICHERND UND NICHT VIEL ARBEIT

Ingvill C. Mochmann, Spielplatzpatin

Ingvill C. Mochmann, Spielplatzpatin

Frau Ingvill C. Mochmann, Sozialwissenschaftlerin  und Mutter dreier Kinder, ist seit 2005 Spielplatzpatin eines Kölner Spielplatzes. Mit viel Enthusiasmus und Engagement hat Sie es in dieser Zeit geschafft, „ihrem“ Spielplatz neues Leben einzuhauchen. Erst vor wenigen Tagen wurde das neue Elfenhaus eingeweiht. Ein Grund für uns, mal genauer nachzufragen.

 

Frau Mochmann, warum sind Sie Spielplatzpatin geworden?

Mochmann: Wir haben uns schon vorher ein bisschen um den Spielplatz gekümmert, auch, weil wir direkt gegenüber wohnen. Wir haben immer mal wieder das Grünflächenamt angerufen und Bescheid gesagt, da musste was an den Bäumen gemacht werden oder eine Sitzbank war völlig morsch. Als dann aus Sicherheitsgründen eine von den zwei Schaukelwippen abgebaut wurde und danach noch das einzige Klettergerät, habe ich gedacht, so kann’s nicht weitergehen!

Damals hatte ich zwei Kinder im Spielplatzalter und dadurch haben wir viel Zeit auf dem Spielplatz verbracht, aber dann war da nur noch eine Rutsche übrig und das war’s. Das fand ich schade und dachte mir, dann nutzen wir mal die bestehenden Möglichkeiten, habe bei der Stadt Köln angerufen und gesagt, ich würde gerne die Patenschaft übernehmen.

 

Und, ist es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Mochmann: Na ja, am Anfang dachte ich, ich übernehme jetzt die Patenschaft und sag, was alles fehlt und was gemacht werden muss. Aber ich habe sehr schnell festgestellt, dass, wenn es um die Anschaffung neuer Spielgeräte geht, erstmal gefragt ist, dass man sich selbst darum kümmert, eine Finanzierungsbasis dafür zu bekommen. Wenn die steht, hilft dann wieder die Stadt weiter und die Zusammenarbeit klappt prima.

Mein Eindruck ist, wenn Möglichkeiten da sind, läuft das sehr unkompliziert und die Stadt tut, was sie kann, mit den Mitteln, die sie zur Verfügung hat. Wenn die Verantwortlichen sehen, dass was von außen kommt, sind die Möglichkeiten zu handeln immer viel größer, als wenn erwartet wird, dass die Stadt für alles aufkommt.

Gabriele Menke, Amt für Kinderinteressen, Köln

“Wir würden gerne viel mehr machen. Aber es geht auf Grund der knappen Haushaltslage einfach nicht. Zur Zeit darf z. B. keine Entscheidung getroffen werden, die mit Kosten verbunden ist. Aber wenn sich Spielplatzpaten oder sonstige Bürger intensiv um Spenden bemühen, tun wir immer etwas dazu. Die Faustregel lautet: Die Leute sammeln das Geld für das Spielgerät, die Stadt übernimmt den Einbau. Spenden zu sammeln ist nicht Voraussetzung für eine Patenschaft, aber viele Paten tun es. So wurden in den letzten Jahren zwischen 100.000 und 200.000 Euro an Spenden gesammelt. Das ist toll!“ (Zitat: Gabriele Menke, Amt für Kinderinteressen der Stadt Köln)

 

Was hat sich seit dem auf „Ihrem“ Spielplatz getan?

Mochmann: Ich habe mich um Dinge gekümmert, die auf den ersten Blick nicht gleich auffallen. So wurde zum Beispiel ein Strommast entfernt, und somit auch das Stromkabel, welches quer über dem Spielplatz verlief. Oder es wurden, auf meine Bitten hin, vom Grünflächenamt neue Bäume gepflanzt, nachdem die Stadt die alten Pappeln gefällt hatte und uns der Schatten fehlte.

Über die Sommermonate hatte ich eine Box mit Sandspielzeug, Badmintonschläger, Tischtennisschläger, Fußball und so weiter auf dem Spielplatz unter die Tischtennisplatte gestellt. Die Box wurde gut genutzt und es kam relativ wenig weg.

Und natürlich haben wir inzwischen auch wieder schöne Spielgeräte auf unserem Spielplatz – eine neue Wippe, ein Klettergerüst und jetzt das neue Elfenhaus.

 

Spielgeräte sind richtig teuer. Wer hat das bezahlt?

Mochmann: Ein großer  Teil der Finanzierung kam über externe Spendengelder zusammen. Die Kölner Bank, das Bezirksamt Rodenkirchen und die Kölner Firma REISSWOLF haben die Spielgeräte hauptsächlich gesponsert. Dazu kamen noch viele kleine Spenden. Auch die Stadt Köln hat uns unterstützt. So wurden die von mir gesammelten Spenden von der Stadt aufgestockt und auch den Einbau der Spielgeräte hat die Stadt Köln übernommen. Das neue Elfenhaus kostet zum Beispiel 10.000 Euro, davon ca. 5.000 Euro der Einbau.

Das neue Elfenhaus auf dem Rondorfer Spielplatz

Großteils über externe Spendengelder finanziert

 

Wissen die Anwohner, was Sie alles bewegen?

Mochmann: Ja, ich denke, inzwischen hat sich das rumgesprochen und ich bekomme sehr positives Feedback und kriege Unterstützung. Wenn ich Einladungen zum Spielplatzfest verteile oder Spenden sammele, habe ich gemerkt, dass die Bereitschaft in der Nachbarschaft da ist, auch mal etwas für den Spielplatz zu spenden, wenn sie wissen, da kümmert sich jemand drum. Bei den Spielplatzfesten helfen viele Nachbarn und sind auch mit dabei.

Anlässlich des zweiten Spielplatzfestes 2007 habe ich mal in einer Broschüre zusammengestellt, was alles passiert ist auf dem Spielplatz. Solche Sachen regelmäßig zu dokumentieren ist wichtig, weil das sonst sehr schnell für selbstverständlich gehalten wird. So kann man sehen, was sich mit einem minimalen Einsatz alles bewegen lässt.

 

Haben Sie als Spielplatzpatin festgelegte Aufgaben?

Mochmann: Nein, es gibt keine konkreten Aufgaben, so nach dem Motto, das und das müssen Sie jetzt als Spielplatzpatin erledigen. Und es gibt auch keine Anwesenheitspflicht auf dem Spielplatz. Hier ist eigentlich eher Eigeninitiative gefragt.

Ich organisiere Spielplatzfeste, kümmere mich um neue Spielgeräte. Ich achte darauf, dass die Spielplatzregeln eingehalten werden, also keine Hunde und keine Zigaretten, und wenn ich sehe, dass Kinder Spiele erfinden, die nicht ganz ungefährlich sind, spreche ich sie darauf an. Ich halte einfach meine Augen offen und schaue im Rahmen meiner Möglichkeiten, dass alles läuft.

Gabriele Menke

“Es gibt 722 öffentliche Spielplätze in Köln und 401 Spielplatzpaten, das ist in NRW der beste Schnitt. Spielplatzpaten – das sind Personen, Vereine, Schulen, Institutionen – sollen die Kontaktperson der Stadt zum Spielplatz sein, uns sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist bzw. etwas gemacht werden soll. Spielplatzpaten gehen sehr unterschiedlich mit ihrem Amt um. Manche schauen einfach nur nach dem rechten, andere gehen es etwas intensiver an, wie zum Beispiel Frau Mochmann.” (Zitat: Gabriele Menke, Amt für Kinderinteressen der Stadt Köln)

 

Wie viel Zeit investieren Sie pro Woche?

Mochmann: Das ist schwer einzuschätzen, vor allem, wenn man so direkt gegenüber wohnt. Wenn ich meinen Jüngsten in den Kindergarten bringe und ich sehe, da liegt Müll auf dem Spielplatz, dann gehe ich vorbei und tu es in den Mülleimer. Wenn ich am Fenster stehe und telefoniere und sehe, dass da Leute mit dem Hund auf dem Spielplatz sind oder rauchen, gehe ich mal kurz rüber.

Für andere Tätigkeiten, wie Kommunikation oder Spenden sammeln oder Spielplatzfeste organisieren, würde ich sagen, maximal eine halbe Stunde am Tag. Aber das ist vielleicht auch noch zu hoch angesetzt, wenn man das übers ganze Jahr rechnet. Die Tätigkeiten fallen ja eher phasenweise an. Und eigentlich nehme ich die Zeit auch nicht so als Arbeit wahr. Deshalb achte ich da auch nicht so sehr drauf. Viele sagen: „Ich hab dafür keine Zeit.“ Aber ich denke, das ist eher eine Frage der Priorität.

 

Welche Fähigkeiten muss man als Spielplatzpatin mitbringen?

Mochmann: Man sollte die Patenschaft nicht als Kontrollaufgabe verstehen, bei der man allen Leuten sagen will wo’s langgeht, sondern sich nur auf die Sachen konzentrieren, die wirklich nicht erlaubt sind. Oft gibt es Grenzfälle und dafür ist ein bisschen Gelassenheit gut und natürlich offen zu sein und auf die Leute zugehen zu können.

Aber ich sage zum Beispiel nie im ersten Satz: „Ich bin hier Spielplatzpatin und das dürfen Sie nicht.“ Sondern ich versuche ins Gespräch zu kommen, und erst wenn es dann droht schwierig zu werden, dann sage ich, dass es meine Aufgabe als Spielplatzpatin ist, ein Auge auf diesen Spielplatz zu werfen.

 

Gibt es Gruppen von Spielplatznutzern über die Sie sich öfter ärgern?

Mochmann: Man denkt ja immer, dass vielleicht die Jugendlichen schwierig sind. Nun muss man sagen, so viele sind hier nicht auf dem Spielplatz, weil der von allen Seiten offen und einsehbar ist und nicht so viele Rückzugsmöglichkeiten bietet. Aber meine Erfahrungen mit Jugendlichen sind eigentlich eher positiv. Wenn ich hingegangen bin und sie auf die Zigaretten und Hunde angesprochen habe, dann haben sie sehr schnell gesagt: „Ach, Entschuldigung, da haben wir nicht dran gedacht.“ Sie haben ihren Müll mitgenommen und sind mit den Zigaretten und den Hunden vor den Spielplatz gegangen.

Mit Eltern ist es erstaunlicherweise oft schwieriger. Die stehen mit ihren eigenen Kindern rauchend am Sandkasten und stampfen dann nachher noch die Zigarette in den Sandkasten rein. Wenn man die anspricht, kriegt man manchmal einen so blöden Kommentar… Das ärgert mich dann sehr. Aber vielleicht ist es auch ein bestimmter Typ Menschen, denen überhaupt so etwas einfällt?

 

Wurde es für Sie auch schon mal richtig unangenehm?

Mochmann: Gott sei Dank eigentlich nicht. In den fünf Jahren meiner Patenschaft bin ich genau einmal in eine ziemlich ungemütliche Auseinandersetzung. Das war eine Gruppe junger Menschen, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Es war abends, die spielten Tischtennis auf dem Spielplatz und hatten freilaufende Hunde dabei. Also bin ich rüber und dachte, mal sehen, vielleicht verhalten sie sich nur unbedacht.

Aber leider waren sie überhaupt nicht einsichtig. Sie argumentierten ziemlich aggressiv und warfen mir vor, ich sollte mich lieber mehr für Hunde einsetzen. Als sie dann noch anfingen zu rauchen – es war zu der Zeit sehr trocken – hab ich aufgegeben und das Ordnungsamt angerufen. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Für solche Fälle haben wir eine Notfallnummer. Die Frau vom Ordnungsamt war sehr hilfreich und wir haben das weitere Vorgehen besprochen. Kurze Zeit später waren die Hunde weg und somit hatte sich das Problem erstmal erledigt. Da das Ordnungsamt ja nicht sofort zur Stelle ist und z. B. die Zigaretten fertiggeraucht sind oder der Hund weg ist, ist es aber ganz gut wenn man die Möglichkeit hat ein Foto zu machen, welches man den Ordnungsamtmitarbeitern zeigen kann, sollte es notwendig werden

Solche Situationen sind natürlich unschön. Man darf sich nicht selbst überschätzen und darf nicht zu naiv an diese Sache herangehen. Aber, wie gesagt, das war einmal in fünf Jahren. Insgesamt habe ich es nie bereut, die Patenschaft übernommen zu haben. Es ist toll, es ist bereichernd, es ist nicht viel Arbeit. Ich mache das wirklich sehr gerne.

 

Wie sind sie vorgegangen, um Spendengelder zu akquirieren?

Mochmann: Ich habe in der Nachbarschaft Zettel verteilt, damals als ich die Patenschaft übernommen habe. Ich habe auch zum Spielplatzfest eingeladen und dort eine Spendenbox aufgestellt.

Dann habe ich mich informiert und umgehört und erfahren, dass man bezirksorientierte Mittel beantragen kann. Mit der Stadt Köln haben wir dann gemeinsam überlegt, was wir gerne für den Spielplatz anschaffen würden. Dann wusste ich die Größenordnung – das kostet ja meistens viel mehr als man so denkt. Ich habe auch Banken angeschrieben und bei lokalen Firmen nachgefragt. Sogar IKEA habe ich kontaktiert, die haben allerdings nichts gespendet.

Als ich letztes Jahr meinen 40. Geburtstag groß gefeiert habe, habe ich in die Einladungen geschrieben, ich hätte gerne eine Spende für unseren Spielplatz. Dadurch habe ich ein Budget für kleinere Anschaffungen, wie zum Beispiel für die Sponsorenschilder, die ich an die Spielgeräte hänge, damit die Leute sehen, woher das Geld kommt.

 

Wie wurde entschieden, welche Geräte angeschafft wurden?

Mochmann: Ganz am Anfang habe ich versucht, das mit einigen Eltern zusammen zu planen. Aber dann habe ich sehr schnell festgestellt, dass man die Expertise der Mitarbeiter der Stadt Köln schon braucht. Sie sehen, was ist auf dem Gelände zu tun, wie kann man das maximale im Preis-Leistungs-Verhältnis herausholen? Einfach deren Erfahrung, was Kinder gerne nutzen, womit sie spielen. Man kann ja sonst was haben wollen, aber die sagen dann, das würde hier nicht funktionieren aus dem und dem Grund. Ich komme dann mit Vorschlägen und gemeinsam mit der Stadt Köln wird dann nach den passenden Geräten gesucht. Das funktioniert hervorragend.

Was mich allerdings schon wundert, sind die Preise von den Spielgeräten. Da ist mir nicht ganz klar, warum das so teuer sein muss. Da frage ich manchmal, ob es Monopole sind, die dann dafür sorgen, dass diese unnatürlich hoch sind. Das wäre mal ganz interessant rauszufinden. Vielleicht könnten Sie das mal recherchieren?

 

Was planen Sie als nächstes für Ihren Spielplatz?

Mochmann: Ich plane als nächstes noch eine neue Rutsche, die alte soll ausgetauscht werden. Dafür habe ich jetzt auch schon eine erste Startspende von der Sparkasse Köln/Bonn bekommen und werde mich mit der Stadt Köln beraten, wie wir weiter vorgehen. Wenn die Rutsche steht, reicht es erstmal an Spielgeräten. Das Bezirksamt hat mir auch noch zwei Bänke und einen Mülleimer versprochen und danach werden wir wieder ein Spielplatzfest feiern. Dann werden bestimmt die nächsten Wünsche und Ideen auftauchen.

Gabriele Menke

“Die Rutsche ist zwar normgerecht, aber schon etwas älter und Frau Mochmann mit 1,50 Meter zu hoch. Es ist ihr Wunsch, das zu verändern und dabei unterstützen wir sie gerne soweit wir das können. Dafür müssen ca. 3.000 bis 5.000 Euro für die Rutsche selbst gesammelt werden, dann schießen wir den Einbau mit ca. 5.000 Euro dazu. Alle, die spenden möchten, können sich direkt an die Stadt Köln wenden. Die Rutsche geht übrigens nicht verloren, sondern wird auf einem anderen Spielplatz eingebaut.“ (Zitat: Gabriele Menke, Amt für Kinderinteressen der Stadt Köln)

Frau Mochmann, wir danken Ihnen für dieses interessante Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg für Ihre Arbeit als Spielplatzpatin.

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