BLAUER TURM GEGEN ROTER TURM

In Pfronten steht seit einem Jahr der  1. Computerspielplatz Deutschlandsmit Buzzer, Touchscreen und Konsole. Die Kinder finden sich in Gruppen zusammen, wählen ein Spiel aus und schon ist die Jagd auf die farbigen Lämpchen eröffnet. Jan Schubert, der Tourismusdirektor von Pfronten, erzählt wie’s funktioniert.


Herr Schubert, wie müssen wir uns einen Computerspielplatz vorstellen?

Der Computerspielplatz ist im wesentlichen ein futuristisch anmutendes Klettergerüst, an dem verschiedenfarbig leuchtende Knöpfe (Buzzer) angebracht sind. Die Kinder können über eine dazugehörige Konsole mit Touchscreen aus insgesamt vier digitalen Spielen auswählen und diese Spiele durch ihre eigene Körperbewegung steuern. Einer der wichtigsten Unterschiede zu einem konventionellen Spielgerät: Die Spiele werden in Teams gespielt– alleine macht es keinen Spaß.

Spielkonsole und Buzzer


Können Sie uns ein Beispiel für ein solches Spiel nennen?

Schubert: Ja, eins der Spiele nennt sich „Blauer Turm gegen roter Turm“. Die Kinder bilden zwei Teams und müssen versuchen so schnell wie möglich die rot bzw. blau leuchtenden Buzzer am Klettergerüst abzuschlagen. Dafür werden einige Teammitglieder gebraucht: Die Spielkonsole muss bedient werden, da läuft eine Uhr rückwärts, die Treffer werden mitgezählt… Es müssen Kinder auf dem Klettergerüst die leuchtenden Punkte treffen und rund um das Gerät stehen Kinder, die den anderen auf dem Klettergerüst Hinweise geben, wo welche Farben aufblinken. Also das Ganze ist stark interaktiv, unterstützt die Teambildung und fördert letztendlich so die soziale Kompetenz.


Sind denn immer genügend Kinder auf dem Spielplatz, um gemeinsam zu spielen?

Schubert: Da der Spielplatz von Beginn an sehr gut angenommen wurde und immer gut besucht ist, kommen die Kinder in der Regel sofort in Kontakt miteinander. Prinzipiell kann dieses Klettergerüst jedoch auch offline wie ein konventionelles Klettergerüst bespielt werden. Außerdem stehen auf dem Spielplatz auch noch andere Spielgeräte, passend zur Planeten-Thematik – daher auch der eigentliche Name „Planetenspielplatz“.


Welche Altersgruppe nutzt den Computerspielplatz?

Schubert: Ursprünglich dachten wir, der Spielplatz wäre etwas für Ältere, also 10- bis 13-Jährige. Aber in Wirklichkeit sind die Kinder jünger. Das liegt sicherlich daran, dass Kinder heute in digitalen Welten aufwachsen und sofort verstehen worum es hierbei geht. Die Spiele sind intuitiv erfassbar und mit Symbolen unterlegt. Die Kinder wissen, grün muss ich drücken und dann geht’s weiter, und sie kommen auch sehr schnell miteinander in Kontakt und erklären sich das Spiel gegenseitig.


Das heißt, die Kinder brauchen gar keine Spielanleitung?

Schubert: Nein, brauchen sie nicht. Die gibt es nur für die Erwachsenen. Die ersten Wochen nach Inbetriebnahme des Computerspielplatzes gab es keine Anleitung. Aber dann kamen immer mehr Eltern auf uns zu und meinten, sie würden ja auch gerne wissen wie’s funktioniert. Und deswegen haben wir nachträglich eine Spielanleitung angebracht.


Wie kamen Sie auf die Idee, einen Computerspielplatz zu installieren?

Schubert: Die Herstellerfirma ist damals mit dem Vorschlag auf uns zugekommen, Pilotort für diese Anlage zu werden, da sie gesehen hat, dass wir bei uns in der Gemeinde einiges für Spielplätze tun. Als Referenzstandort haben wir die Anlage dann auch günstiger bekommen. Unabhängig davon war ich aber auch sofort Fan von der Idee, denn das Thema Computerspiele passte einfach ideal zur großen Bandbreite unserer bisherigen Themenspielplätze mit den Schwerpunkten Burgen, Märchen, Zirkus etc..


Gab
es im Vorfeld kritische Stimmen?

Schubert: Am Anfang gab es große Unruhe, weil wir kommuniziert hatten, dass die Anlage auch piepst. Denn diese leuchtenden Knöpfe (Buzzer) haben auch Soundmodule. Wir haben am Anfang die Anlage zwar abgetapt, aber inzwischen gar keinen Dämpfschutz mehr dran. Die Geräuscheentwicklung ist letztlich minimal und nicht schlimmer als andere Geräusche, die vom Spielplatz ausgehen.


Was entgegnen Sie Kritikern, die fragen: Warum muss es Computerspiele jetzt auch noch auf den Spielplatz geben?

Schubert: Ich denke, es gibt wirklich genügend Natur und es gibt auch genügend andere Spielplätze bei uns. Da ist es doch gut auch mal einen Spielplatz dieser Art anzubieten. Die Kinder kennen die Spielweise von ihrem heimischen PC, außer dass sie eben hier alles mit körperlicher Bewegung machen müssen. Ist doch toll, dass sich so Computerspiel und aktive Bewegung miteinander verknüpfen lassen und die Kinder motiviert werden, sich mit anderen Kindern zu messen und zu bewegen.

Früher dachte ich selbst immer, spielen in einer alten Welt, in der wir ja sind, mit den Bächen und der vielen Natur, das müsste eigentlich ganz ohne Spielplätze gehen. Aber natürlich bieten Spielplätze Vorteile und sind einfach auch erforderlich, auch auf dem Land, auch in Tourismusorten, darum sind wir jetzt froh sind, dass wir den Computerspielplatz haben.


Wer sorgt für den reibungslosen technischen Ablauf?

Schubert: Da gibt es eine Fernwartung. Das Spielgerät ist online im Datennetz des Herstellers und die sehen sofort, wenn etwas ausfällt, was Gott sei Dank bisher sehr selten vorgekommen ist. Es kam einmal Feuchtigkeit an einer Stelle rein, wo sie hätte nicht reinkommen sollen, und bei einem der Buzzer hatte sich mal die Schutzfolie abgelöst. Alles nicht wirklich tragisch.

Einmal im Jahr wird die Anlage komplett auseinander genommen und geprüft. Dafür haben wir einen Wartungsvertrag, was für Spielplätze zwar Neuland ist, bei EDV aber durchaus üblich.


Ist ein solches computergestütztes Spielgerät teurer als ein konventionelles Spielgerät?

Schubert: Wenn man das eigentliche Gerät betrachtet schon, dann ist es bestimmt 25 bis 30 Prozent teurer. Allerdings ist es so, dass die Aufenthaltsdauer oder Verweildauer an diesem Spielgerät um ein Vielfaches höher ist. Die Kinder bleiben einfach bei diesem Spielgerät hängen. Das heißt, man braucht bei gleicher Fläche weniger Spielgerät und spart sich ein bisschen was ein, wenn man ein tolles Gerät hat, dass den Kindern nicht langweilig wird.

Hinzu kommt, dass das Spielgerät aus reinem Industriestahl gefertigt wird und daher sehr robust und von langer Lebensdauer ist ist. Ursprünglich wurde es nämlich für soziale Brennpunkte entwickelt, also für Flächen, auf denen sich Kinder abreagieren können, die dann aber besonders vandalismussicher sein müssen.


Hat es sich gelohnt mit diesem Computerspielplatz Neuland zu wagen?

Schubert: Auf jeden Fall. Wir wissen aus Gesprächen mit Vermietern, dass die Gäste sagen: „Tolle Spielplätze, da kommen wir wieder, weil wir noch nicht alle durchgemacht haben.“ Und an den Wochenenden haben wir viele Ausflugstouristen von den umliegenden Orten bei uns.

Das tolle ist ja auch, dass es speziell am Computerspielplatz nicht langweilig wird. Online können neue Spiele eingespeist werden und über die Eingabe meiner Initialen kann ich meinen Punktestand speichern, abrufen und mit denen der anderen vergleichen. Wer weiß, vielleicht lassen sich die Spielergebnisse ja in Zukunft auch übers Internet austauschen und Computerspielplätze miteinander vernetzen?

Vielen Dank für das interessante Gespräch! Uns gefällt diese Idee! Das Interesse der Kinder an Computerspielen ist groß, also warum nicht beides – Spielplatz und Computer – miteinander verbinden und Kinder so zu motivieren, sich an der frischen Luft im Spiel mit anderen zu bewegen?!

Mehr Infos:
Spielplätze in Pfronten auf spielplatztreff.de
Offizielle Internetseite von Pfronten

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2 Antworten auf BLAUER TURM GEGEN ROTER TURM

  1. Jan Schubert sagt:

    Hallo Herr Fischer, Danke für Ihre Antwort. Der Spielplatz ist im Sommerhalbjahr tagsüber geöffnet. Gerne telefonieren wir und tauschen Projekte aus. Ich bin ab 1. September wieder in meinem Büro unter 08363/69838 telefonisch zu erreichen.
    Jan Schubert

  2. Wolfgang Fischer sagt:

    Ich finde die Idee ainfach genial!
    Aöls Systembetreuer und eTwinning Moderator (www.etwinning.net) würde mich mehr dazu interessieren. Zu welchen Zeiten kann man den Spielplatz und Verantwortliche einmal kontaktieren?
    Herzliche Grüße
    Wolfgang Fischer

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