ELTERN RETTEN SPIELPLATZ

Für die Ausstattung moderner Spielplätze stehen nur selten ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. Deshalb werden vielerorts Spielgeräte notdürftig ausgebessert, Teile abmontiert oder Spielplätze ganz dicht gemacht, bevor sie auf Grund von Mängeln zur Gefahr für Kinder werden.

Alter Grafenwerth-Spielplatz

Auch dem Spielplatz auf der Insel Grafenwerth in Bad Honnef drohte zunächst ein ähnliches Schicksal.

Denn die Stadt hatte nicht genügend finanzielle Mittel für die kostenintensive Renovierung bzw. Neugestaltung dieses wundervoll gelegenen, aber ziemlich maroden Spielplatzes.

Steffen Klinzmann, Bad Honnefer Stadtelternrat

Die Eltern des Bad Honnefer Stadtelternrates wollten sich damit jedoch nicht zufrieden geben und gründeten kurzerhand die „Arbeitsgemeinschaft Spielplatz“.

Steffen Klinzmann, Sprecher des Bad Honnefer Elternrates, erzählt uns, wie es mit viel Herz und Engagement gelang, den Inselspielplatz doch noch zu retten.

Herr Klinzmann, da hatten Sie sich als Elternrat eine Menge vorgenommen. Wie sind Sie vorgegangen, um Ihr Ziel zu erreichen?

Klinzmann: Der Stadtelternrat Bad Honnef ist seit seiner Gründung 1999 aktiv, um die Spielplätze der Stadt zu überprüfen und deren Mängel festzuhalten. Durch unsere langjährige Arbeit auf diesem Gebiet sind wir uns mittlerweile der Anforderungen an zeitgemäße Spielgeräte und Spielplatzausstattungen durchaus bewusst.

Dieses Wissen half uns ganz entscheidend, in einem ersten Schritt unsere Anforderungen an den neuen Spielplatz zu definieren. Anschließend haben wir uns mehrere Spielplatzgerätehersteller angeschaut und deren Konzepte gegen unsere Anforderungen gespiegelt.

Die Firma, für die wir uns letztendlich entschieden haben, überzeugte uns durch ihren gesamtheitlichen Ansatz hinsichtlich Ergonomie, behindertengerechten Designs aber auch im Bereich der Haltbarkeit und Stabilität sowie der wartungsfreien Verarbeitung der Geräte. Sie müssen bedenken, dass wir bei der Lage der Rheininsel Grafenwerth direkt im Rhein ab und zu mit Hochwasser rechnen müssen. Daher kam Holz als Baumaterial oder Rindenmulch als Fallschutz gar nicht in Frage.

Als das Konzept stand, haben wir uns darauf konzentriert, die Spendenaktionen zu organisieren und zu koordinieren. Das war eine Menge Arbeit.

Was war Ihnen bei der Neugestaltung des Spielplatzes besonders wichtig?

 

Klinzmann: Wichtig war uns vor allem, dass wir alle Einwohner der Stadt Bad Honnef aber auch die Gewerbetreibenden und Institutionen des Ortes von der Neugestaltung des Spielplatzes überzeugen konnten. Es sollte deutlich werden, dass der Spielplatz zugunsten der Allgemeinheit und als Aushängeschild der Stadt erneuert wird. Denn der Standort des Spielplatzes gilt auch als Visitenkarte unserer Stadt. Dafür war es wichtig, die Spielgeräte so auszuwählen, dass sie für eine breite Altersgruppe von 0 bis 12 Jahren ausgelegt sein würden, um möglichst viele Kinder mit dem Spielangebot zu erreichen.

Außerdem wollten wir unbedingt, dass den Wünschen der Kinder und Jugendlichen nach zeitgemäßen Spielgeräten Rechnung getragen wird. Sowohl die farbliche Gestaltung als auch ein anspruchsvolles Design zum Klettern und Stabilisieren der eigenen motorischen Erfahrungen waren wichtige Entscheidungsmerkmale für die Auswahl der Geräte.

Wussten Sie vorher, wie viel Geld Sie benötigen würden, um den Spielplatz zu retten?

Klinzmann: Ja, so ungefähr. Denn uns war von vornherein klar, dass der Standort des Spielplatzes nur mit einem attraktiven Ausstattungskonzept gerettet werden kann. Den Kostenrahmen legten wir als Arbeitsgemeinschaft auch durch das ausgearbeitete Spielplatzkonzept selbst fest. Wir wussten also wie viel wir im optimalen Fall mit der Spendeninitiative sammeln müssten, um die bestmöglichsten Ausstattungswünsche zu realisieren.

Eigentlich beabsichtigten wir, mit der Spendeninitiative weit mehr einzunehmen. Dennoch haben wir mit den gesammelten Spenden bereits viel erreicht – in nur sechs Monaten kamen über 30.000 Euro zusammen. Wir haben dann nach einem halben Jahr entschieden, mit den vorhandenen Mitteln zu starten, da wir in der Lage waren, auch schon mit dieser Summe ein sehr attraktives Ausstattungskonzept umzusetzen.

Wie haben Sie es geschafft, so viele Bad Honnefer davon zu überzeugen, Ihr Projekt mit einer Spende zu unterstützen?

Klinzmann: Ich denke, sehr wichtig war es, die Spendeninitiative mit einem klaren Realisierungskonzept und nachvollziehbaren Argumenten zu verbinden. Die Bürgerinnen und Bürger müssen wissen, wofür ihr Geld verwendet wird. Das haben wir unter anderem durch Spielplatz-Fotos erreicht, in die wir die neuen Spielgeräte eingefügt haben. So war schnell ein klares Bild des neuen Spielplatzes erkennbar.

Um das Ganze noch anschaulicher zu gestalten, haben wir viel mit den Bildern des maroden Spielplatzes gearbeitet. Die Notwendigkeit, etwas zu tun, war damit noch viel deutlicher. Die Mehrheit der Bad Honnefer kennt die Insel mitsamt seines kläglichen Spielplatzes.

Sehr geholfen hat natürlich auch, dass sowohl die Wünsche der Erwachsenen als auch die der Kinder und Jugendlichen in die Gestaltung des Spielplatzes mit einbezogen wurden. Viele Zeichnungen und Gespräche haben uns dann auf weitere Ideen zur Spielplatzgestaltung gebracht.

Hat sich denn auch die Stadt für die Rettung des Spielplatzes eingesetzt?

Klinzmann: Ja. Die Stadt hat sich nicht nur finanziell beteiligt. Unsere Bürgermeisterin Wally Feiden hat mit ihrer Schirmherrschaft über das Projekt sehr dazu beigetragen, die Bevölkerung als auch die Firmen der Stadt von der Richtigkeit und Wichtigkeit des Vorhabens zu überzeugen. Aber auch die Unterstützung hinsichtlich behördlicher Genehmigungen für unsere Infostände und Aktionen war nicht zu unterschätzen.

Ergänzt wurde das Engagement der Stadt durch die tatkräftige Unterstützung des städtischen Bauhofes. Dadurch wurde in einer Rekordzeit von nur einer Woche der Spielplatz beräumt und der Boden abgetragen, in der Fachsprache sagt man „auskoffern“.

 

Ist der Spielplatz denn jetzt fertig?

Klinzmann: Der Spielplatz auf dem alten Gelände ist, was die Geräte und den Fallschutzsand anbetrifft, fertig. Nur die landschaftsgärtnerischen Aspekte, wie die Begrünung mit Rasen und Bepflanzung von Sträuchern müssen im Frühjahr umgesetzt werden.

Die alten Geräte werden übrigens in aufbereiteter Form auf anderen Spielplätzen der Stadt wieder installiert. Nur die Reckstangen, wurden als „Erinnerung“ an den alten Spielplatz in aufbereiteter Form auf dem neuen Spielplatz wieder aufgebaut.

Außerhalb des Geländes möchten wir gerne noch für die älteren Jugendlichen etwas gestalten. Eine sogenannte Multitorwand soll den Anspruch und Bedarf an Spiel- und Sportmöglichkeiten der über 12-Jährigen abdecken. Ein Basketballkorb, eine Kletterwand, ein Fußballtor – passend zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 – sollen dann das gesamte Spielplatzkonzept abschließen. Somit wird auch der von der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef im Jahr 2008 in einer Marktforschungsstudie erkannte Bedarf für die Kinder und Jugendlichen gedeckt.

Das heißt, Sie sammeln weitere Spenden für den Spielplatz?

 

Klinzmann: Ja, wir sammeln weiter Spenden für das Multitor und möchten dann das Ganze auch in einem Spielplatzeröffnungsfest am 08. Mai diesen Jahres gebührend feiern. Auch da arbeiten wir mit der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef an einem Veranstaltungskonzept.

Herr Klinzmann, den Bad Honnefer Stadtelternrat gibt es jetzt bereits seit 10 Jahren. Was haben Sie in dieser Zeit für die Spielplätze Ihrer Stadt erreicht?

 

Klinzmann: Wir haben die uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt, um auf die ständig schlechter werdende Ausstattung der städtischen Spielplätze hinzuweisen. Die Stadt Bad Honnef als Verantwortliche für die Aufrechterhaltung der Spielplatzausstattung ist sich der Situation bewusst gewesen. Die Stadt hat aber aufgrund fehlender Gelder immer wieder argumentiert, die Ausstattung der Spielplätze nicht angehen zu können. Das Bewusstsein dafür haben wir bis heute aufrecht erhalten. Und nun haben wir ein Beispiel gebracht, dass es geht.

Was geben Sie anderen Eltern mit auf den Weg, die sich vielleicht durch Ihr Engagement ermutigt fühlen, sich ebenfalls für einen Spielplatz in ihrem Wohnort einzusetzen?

Klinzmann: Ich kann nur sagen, lassen Sie die Kinder und Jugendlichen entscheiden und mitbestimmen, was geschehen soll. Überzeugen Sie die städtischen Gremien und sprechen Sie mit den örtlichen Fraktionen und Parteien und bitten Sie diese um Unterstützung. Fordern Sie unbedingt auch örtliche Unternehmen (Landschaftsgärtner, Bauunternehmen, PR-Agenturen, Zeitungen und Zeitschriften, etc.…) zur Mitarbeit auf. Kombinieren Sie die Aktion mit Stadtfesten und eigenen Aktivitäten. Machen Sie alles öffentlich über Homepages und Blogs, wie diesen.

 

Vielen Dank, Herr Klinzmann, für dieses interessante Gespräch.

Ein großes Kompliment an den Bad Honnefer Stadtelternrat für die erfolgreiche Arbeit und toi, toi, toi für die letzte Etappe der Spielplatzgestaltung.



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